Collage mit 4 Kindern

Die Elternzeit – Luxus oder Luxusproblem?

Erst gestern Abend begegnete ich in einem Forum einmal mehr einer Diskussion um Elternzeit, Elterngeld und die damit zusammenhängenden Probleme. Eine Schwangere beklagte sich darüber, dass sie spätestens 6 Monate nach der Geburt wieder arbeiten müsse, da sie sich eine längere Auszeit nicht leisten kann. Die Schwangeren aus der Schweiz lächelten nur müde (dort gibt es keine staatlich bezuschusste Elternzeit), wohingegen die meisten deutschen Schwangeren der Meinung waren, dass man so etwas vor der Zeugung eines Kindes bedenken müsse und der Staat schon genug dafür täte, dass man überhaupt zuhause bleiben könne. Ein relativer kleiner Anteil der Schwangeren war der Meinung, dass das Elterngeld viel zu niedrig wäre und schloss sich der Erstellerin des Threads an. Die Diskussion sorgte für reichlich erhitzte Gemüter (wie das häufig ist, wenn viele hormongeballte Schwangere und Neumütter aufeinandertreffen…).
DIe Diskussion endete damit, dass Rechnungen darüber aufgestellt wurden, wie man sehr wohl von “dem bisschen” Elterngeld leben könne.

Persönlicher Einblick:
Mein Mann war bei allen Kindern eine kurze oder längere Zeit in Elternzeit. Wir bezeichnen das gerne als unseren ganz persönlichen, nicht selbstverständlichen Luxus, den wir uns leisten wollen. Dafür dass wir uns das leisten können, sorgen nicht nur die kurze Geburtenfolge das Elterngeld und eine frühzeitige Planung einer solchen Auszeit (sparen!), sondern auch die Regelungen zur Elternzeit, die es einem erlauben, bis zu 30 Stunden in der Woche Teilzeit in Elternzeit zu arbeiten und dennoch mit Elterngeld bezuschusst zu werden.
Dazu kommt, dass der jeweils andere während der Elternzeit des Partners auch gearbeitet oder zumindest Geld dazu verdient hat. Wir haben hier auch aktuell eine ganz spezielle Situation, in der wir beide zuhause sind.

Nebentätigkeiten für Mütter (und Väter):
Für viele Mütter bzw. Familien ist eine Elternzeit nur dann möglich, wenn sie auch während der Elternzeit Geld dazuverdienen. Manche haben es leichter und können in ihrer vorherigen Tätigkeit nebenher ein paar Stunden arbeiten, wiederum andere müssen nach Alternativen suchen: Heimarbeit ist dabei nur eine von vielen. Erstaunt hat mich, dass es die klassische Heimarbeit als solche (Kugelschreiben zusammenbauen!) tatsächlich auch heute noch gibt.

Heimarbeit Kugelschreiber zusammenbauen

Auf dem Sektor der Heimarbeit ist es grundsätzlich sinnvoll, wachsam zu sein. Ausschreibungen wie “5000 € in 10 Minuten täglich” sollte man ebenso meiden wie Angebote, in die man zunächst selbst investieren muss. So etwas ist häufig Bauernfängerei und man sollte sich die Konditionen genau durchlesen. Es gibt auf der Seite heimarbeit.de eine ganz gute Aufstellung zur Unterscheidung seriöser und unseriöser Angebote, schaut mal hier.

Oft findet man 400 €-Jobs in Tageszeitungen oder durch Zettel in Supermärkten. Wer ein stabiles Umfeld hat und die Betreuung des Kindes bzw. der Kinder sichern kann, kann so nebenher ein bisschen Geld verdienen und sich so eine längere Auszeit leisten. Aber auch im Netz gibt es unzählige Angebote für Mütter, die auf der Suche nach einem Nebenverdienst sind: neben recht zeitaufwendigen Geschichten wie Umfragen (die man allerdings gut am Abend oder in der Nacht ausfüllen kann und die gut vereinbar sind mit einem Leben als Mutter) bieten sich auch Nebentätigkeiten als Texter an. Wer sich gut ausdrücken kann, wird in diesem Bereich sicherlich eine Stelle finden.

Partnermonate – “können wir uns nicht leisten”:
Noch einmal kurz zurück zur oben genannten Diskussion. Viele Schwangere und Mamas schrieben, dass sie sich die Partnermonate des Mannes finanziell nicht leisten können heißt 2 Monate, in denen der Mann (wahlweise die Frau) nur 65-67 % ihres Einkommens bekommt.
Unabhängig von denen, bei denen das tatsächlich z. B. aus betrieblichen Gründen nicht funktioniert, dass der Mann für 2 Monate in Elternzeit geht, kann ich mir das in der Praxis so recht nicht vorstellen, wieso das nicht funktionieren soll und denke, dass man das mit etwas gutem Willen und Sparen im Vorfeld gut hinbekäme – wenn man es denn möchte.

Interessehalber deshalb ein paar Fragen an euch:
- Wie lang wart ihr bei eurem Kind / euren Kindern zuhause?
- Habt ihr innerhalb des Elterngeldbezugzeitraums gearbeitet?
- War euer Partner auch zuhause? Wie lange? und nicht zuletzt:
- Was haltet ihr vom Elterngeld? Sollte das höher sein oder ist es okay so wie es ist?

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Über den Autor: Kerstin
Kerstin ist Mama von vier wunderbaren Söhnen und einer redseligen unverwechselbaren kleinen Trulla. Sie baut Legotürme, stürmt mit wilden Playmobilpiraten kitschige Prinzessinnenschlösser und sucht täglich Antworten auf kuriose Kinderfragen.

10 Kommentare zu “Die Elternzeit – Luxus oder Luxusproblem?”

  1. avatar Karin sagt:

    Wir leben in Dubai. Hier dürfen Mütter insg. genau 45 Tage bezahlt zuhause bleiben (d.h. vor und nach der Geburt zusammen). Wenn der Arbeitgeber zustimmt, dürfen sie dann nochmals 100 Tage unbezahlt frei nehmen. Ich glaube, so eine großzügige Regelung wie in Deutschland gibt es sonst fast nirgends auf der Welt und meine, man sollte sich über die gute Versorgung in Deutschland freuen, statt immer nur zu meckern. Wobei ich es besser fände, wenn Geringverdiener einen höheren Betrag bekommen würden als jetzt und Besserverdiener einen geringeren Betrag, da sie es sich eher leisten können, voher etwas auf die Seite zu legen.

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    • avatar Kerstin sagt:

      Hallo Karin,
      ganz ganz spannend, das mal aus einer gaaaanz anderen Perspektive zu hören. Ich glaube auch, dass wir in Deutschland nicht nur eine gute Regelung bzgl. des Elterngelds haben (zumindest grundsätzlich), sondern auch ein gutes Sozialsystem, wenngleich dieses mehr und mehr krankt.

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  2. avatar Sabrina sagt:

    Wir haben uns gemeinsam dafür entschieden unsere Tochter bis zu ihrem dritten Geburtstag selber zu betreuen.
    Das Elterngeld lasse ich mir auf zwei Jahre auszahlen. Mein Mann war nicht in Elternzeit.
    Ein zweites Kind ist noch geplant und hoffen das es in den drei Jahren klappt und somit ich ggf. in 5-6 Jahren nach der Geburt unseres ersten Kindes wieder arbeiten kann. Derzeit verdiene ich kein Geld dazu.
    Wir finden das Elterngeld ist eine sehr schöne Sache, ein “Lohn” für die Person die das Kind betreut. Würde es dies in Deutschland nicht geben, wäre die Überlegung früher wieder zu arbeiten wahrscheinlicher, jedoch haben wir uns FÜR Kinder entschieden und uns war vorher bewusst das dies auch bedeutet eine gewisse Zeit auf manches zu verzichten. Belohnt wird man dann aber doch mit anderen Sachen, wie z.B. ein Lächeln des Kindes und eine herzhafte Umarmung…

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    • avatar Kerstin sagt:

      Ich bin ja auch schon eine ziemlich lange Weile zuhause und kann sehr gut nachvollziehen, was du meinst. Natürlich wird man mit dem Elterngeld keine riesigen Sprünge machen – dafür fallen einem andererseits Spritkosten zur Arbeit usw. weg. Und die Kinder aufwachsen zu sehen ist ohnehin unbezahlbar. http://www.fraumama.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_heart.gif

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  3. avatar nachtsrosa sagt:

    Da ich Studentin bin (der Papa ebenso) ist es bei mir eh etwas anders.
    Ich bin vor der Geburt arbeiten gegangen und das nicht wenig.
    Trotzdem habe ich beim Elterngeld nur den Mindestbetrag (also 300 Euro).
    Ich habe die Kleine zur Prüfungszeit bekommen und lege jetzt ein Urlaubssemester ein -u.a., weil ich die Uni wechsel und zwar auf eine deutsche -das heißt, ich fange wohl mit dem weiterstudieren an, wenn die Kleine ca. 1 Jahr ist. Aber Studieren ist ja nicht arbeiten.
    Ich habe seit der Geburt nicht mehr gearbeitet und werde wohl auch erstmal nicht so schnell.
    Der Papa ist nicht direkt zu Hause geblieben, nur wie gesagt: Prüfungszeit, dann erstmal Semesterferien und erst jetzt, wo die Kleine 4 1/2 Monate ist, geht er wieder zur Uni und wieder arbeiten.
    Ich muss ehrlich sein; ich finde das Elterngeld eigentlich nicht ohne.
    Ich finde, es ist durchaus eine stattliche Summe.
    Wir finanzieren uns durch und durch selber und kommen sehr gut mit dem Geld zurecht -wobei es ohne das Elterngeld für uns schon happiger wäre.
    Und hier muss man eigentlich bedenken, dass mein Freund keinen vollwertigen Job hat, sondern eigentlich nur einen Studenten-Job (zwar einen besser bezahlten, da spezielleres Gebiet, dennoch.)

    Ich denke, man muss quasi wissen, wie. Zbsp Ansparen, wie du erwähntest.
    Ansonsten ist es bei uns auch so, dass wir quasi keine laufenden Kosten bis dato haben -ich stille voll, wir haben Stoffwindeln/teilzeit-windelfrei und Brei würden wir auch nicht kaufen. Ich denke, da können auch einige Kosten anfallen. Wie gesagt: die haben wir nicht. Ein bis max. zweimal läuft öfters die Waschmaschine in der Woche. Das war’s aber dann auch schon.

    Also, wie gesagt, finde ich das Elterngeld recht ordentlich hier. Ich wohne direkt an der Schweizer Grenze, sozusagen und weiß (mein Freund ist Schweizer), dass es eben auch ganz anders geht -dass man für’s Kinder-kriegen regelrecht gestraft werden kann.
    Aber ich finde es auch ganz wichtig, dass Eltern die Möglichkeit haben, lange ihre Kinder selber zu betreuen (wenn gewünscht). Wir kommen eben recht gut zurecht. Aber wenn es doch einigen Eltern schwer fällt mit dem Geld….hm. Da würde ich spontan-naiv schon dafür plädieren, dass es vielleicht höher sein könnte? (hin-und hergerissen bin ich. Einerseits ist es ja schon viel und man muss sich halt zu helfen wissen. Andererseits…überseh ich gerade was?)

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    • avatar Kerstin sagt:

      Es ist schwer zu beurteilen. Wo die einen mit den 65 / 67 % sehr gut zurechtkommen, haben andere wiederum hohe Fixkosten, die sich damit nicht so leicht bezahlen lassen, das ist vermutlich immer eine Einzelfallentscheidung, ob das Eltergeld okay ist oder zu niedrig.
      Mit einem Mal waschen hast du Glück – wir hatten beim ersten ein Spuckkind und die Maschine lief ununterbrochen. http://www.fraumama.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wink.gif

      Danke für den Einblick ins Studentenelternleben, ich hätte meine Kinder damals auch gerne schon im Studium bekommen.

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  4. avatar Lorelai sagt:

    Wir leben in Liechtenstein, Karenz ist 20 Wochen (vor/nach der Geburt) plus wahlweise bis zu 3 Monate Elternurlaub wenn der Arbeitgeber mitspielt. Da bin ich schon neidisch auf meine Kolleginnen aus Österreich die bis zu 2 Jahre Zuhause bleiben dürfen und dafür Geld bekommen!!! Und die müssen sogar 1 Monat VOR der Geburt mit der Rbeit aufhören! Derweil bei uns jede bis zum Termin arbeitet um danach so lange wie möglich in Karenz sein zu können

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    • avatar Kerstin sagt:

      Gut, nach Liechtenstein wollen wir auch nicht ziehen. http://www.fraumama.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wink.gif
      Aber ja, auch mit dem Mutterschutz haben wir es in Deutschland gut (wenn man nicht gerade selbständig ist und nichts liegen lassen kann oder nicht im “richtigen” Krankenversicherungstarif ist).

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  5. avatar Nine sagt:

    Ich bin noch zu Hause und bekomme seit 2 Monaten kein Elterngeld mehr. Ich werde auch erst nach den vollen 3 Jahren zurück in den Beruf gehen. Ich bin Alleinerziehende und muss dir recht geben, mit sparen, Heimarbeit und Willen ist das sehr wohl möglich!

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  6. avatar Iris sagt:

    Obwohl ich ja kindermäßig aus einer völlig anderen Zeit stamme, da meine Kinder inzwischen erwachsen sind, hab ich zum Thema Elterngeld/Elternzeit auch eine Meinung. Mein erstes Kind hat mich damals übrigens durch die Endphase meines Studiums und die Prüfung begleitet. Das ganze war in einer Zeit, als es pauschal, also einkommensunabhängig und unabhängig von arbeiten oder nicht, Erziehungsgeld gab. War glaub ich eine Einmalzahlung. Es war aber auch in einer Zeit, als es noch möglich war, als relativ gering verdienender Alleinverdiener eine dreiköpfige Familie ohne irgendwelche Zuschüsse finanzieren zu können. Das ist heutzutage erheblich schwieriger geworden. Und darum finde ich es gut, dass es Elterngeld und die entsprechende Zeit zu Hause gibt.

    Ich kann aber genauso auch verstehen, dass Eltern schnell wieder arbeiten wollen und finde es sehr schade, dass diese gerne als Rabeneltern abgestempelt werden, die keine Lust auf ihr Kind haben oder Ähnliches. Dabei wird es einem ja gar nicht leicht gemacht, schnell wieder zu arbeiten, weil für die jungen Kinder oft kaum Betreuungsangebote zu finden sind. Insofern ist Elterngeld sehr wichtig, obwohl ich auch verstehen kann, dass viele sagen, es reicht nicht und dennoch damit auskommen müssen, weil sie keine Betreuung für sehr junge Kinder finden.

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