Collage mit 4 Kindern

Lernen und lernen lassen – Eltern-Kind-Blogparade im Juni

Um die Motivation im Rahmen der Eltern-Kind-Blogparade im Juni ein wenig zu erhöhen, gehe ich mit gutem Beispiel voran und schreibe meinen Artikel bereits am 15. des Monats.

Lernen und lernen lassen – ein Thema, das absolut nicht für mich gemacht ist. Ich bin und war nie ein Lerntyp. Wo andere Karteikarten ausdruckten oder Mitschriften mehrmals abschrieben, mit Textmarkern durch Gesetzestexte wanderten und aus der trüben Paragraphensuppe ein buntes Farbeneinerlei machten, saß ich in der Vorlesung und wunderte mich über die 18seitigen Mitschriften meiner Mitstudenten.
Dazu kommt meine angeborene Faulheit Bequemlichkeit: was ohne großen Aufwand nebenbei in den Kopf geht, braucht keinerlei Wiederholung und bewältigt sich auch im Vorbeigehen. Wer braucht schon die volle Punktzahl, wenn 90% auch reichen? Derartige Einstellungen brachten meine Mutter schon vor 20 Jahren zu meiner Schulzeit zum Verzweifeln und ich fürchte, ich bin da auch nicht das beste Vorbild für den Nachwuchs.


Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir:

Ich gehörte wohl eher zu der Fraktion, die weder in der Schule noch für die Schule gelernt hat – dabei jedoch durfte ich viel fürs Leben lernen. Wo es zu meiner Schulzeit noch darum ging, wer das leckerste Pausenbrot dabei hat, geht es heute bereits zu Schulbeginn (und auch schon im Kindergartenalter) zunächst einmal darum, wer die schönste Schultüte hat (und bitte: selbst gebastelt!), wer am häufigsten am weitesten weg in den Urlaub fliegt und wer den teuersten, spannendsten Markenschulranzen hat. Bequeme Mamas wie ich würden einen Schulranzen übrigens im Netz bestellen (z. B. bei http://www.schulranzen-berlin.de/) und zuhause schauen, ob er ordentlich passt, wohingegen liebevollere Eltern mit ihrem Kind ins Fachgeschäft gehen (und nach erfolgter Beratung hoffentlich nicht im Netz kaufen).

Materielles wiegt heutzutage um ein Vielfaches mehr als Werte, – gut, das klingt jetzt wirklich sehr konservativ und sehr nach “früher war alles besser”, jedoch machen wir bereits jetzt die Erfahrung, dass es bei jedem Kindergeburtstag größere Gastgeschenke gibt. Hatte Mama 1 noch “nur” einen Stift, 15 Tüten Gummibärchen und einen Kritzelblock als Gastgeschenk, so legt Mamas 2 sicherlich noch einen drauf, indem sie obendrein ein Schlamperetui an jeden Geburtstagsgast verschenkt. Und was lernen wir daraus? Mache nicht jeden Trend um jeden Preis mit, sonst wirst du irgendwann als “Mitgebsel” einen Fernseher verschenken müssen.

Was lernen unsere Kinder?

Da unsere Kinder, vielleicht glücklicherweise, noch nicht im Schulalter sind, lernen sie derzeit nur für sich bzw. für das Leben. Wie es später in der Schule aussieht, wird man sehen. Aktuell hoffen wir, dass Bayern den Stichtag nicht wieder auf dem 31.12. legt, so dass nicht beide Jungs im selben Jahr eingeschult werden. Bis zu dieser Entscheidung ist jedoch noch über 2 Jahre Zeit und wer weiß, was den Bildungsministerien bis dahin einfällt.

Laufen und Sprechen lernen:

Mädchen auf Wiese

Derzeit lernen unsere Kinder höchst unterschiedliche Dinge. Die kleine Prinzessin lernt hauptsächlich sich aufrecht fortzubewegen sprich sie lernt laufen. Am Bett oder an der Couch entlang hangeln geht schon super, da kommen selbst die Jungs kaum hinterher. Auch wenn man sie an beiden Armen festhält, geht sie problemlos ein paar Schritte, nur sobald sie alleine stehen will, verlässt sie der Mut und sie setzt sich lieber schnell hin (nicht aber ohne vorher große Augen gemacht zu haben). Ihr zweitgrößtes Lernprojekt ist das Sprechen. Während schon seit Wochen ganz häufig “Mamamama” aus ihr herauskommt, was nicht nur ein Wort für die Mama ist, sondern für alles, was sie gern hat, hat sie gestern ganz deutlich am Telefon zur Oma “Hallo” gesagt.

Sprache und Sozialverhalten lernen:

Was die beiden Jungs anbelangt, geht es bei ihnen derzeit hauptsächlich um Sprache und Sozialverhalten. Die motorischen Fähigkeiten sind bei beiden soweit vorangeschritten, dass Fortschritte in dem Bereich nur noch minimal und kaum wahrnehmbar sind. Bei der Sprache ist das allerdings anders. Die beiden reden und reden und reden, zumindest so lange wir nicht in der Nähe des Kindergartens sind. Dort scheint in Höhe des Parkplatzes eine Sprachbarriere aufgebaut zu sein, die beide Jungs vom Sprechen abhält. Sobald wir den Parkplatz verlassen, wird auf den Rücksitzen wieder geredet, geredet und geredet. Heute diskutierten sie z.B. darüber, an welchen Tagen der Große in den Kindergarten geht. Da der Kleine beharrlich dabei blieb nur “Montag” zu sagen, was der Große nicht auf sich sitzen lassen wollte, war es eine sehr anregende Diskussion. Durch den geringen Altersunterschied lernen die beiden extrem viel voneinander. Vor allem der kleinere Junge profitiert von dem Großen. Das begann schon beim Krabbeln und Laufen und ist jetzt beim Sprechen ganz deutlich zu sehen. Der Wortschatz der beiden ist ähnlich groß und auch bei der Aussprache nehmen sie sich nicht viel. Einzig die Satzbildung und die Zeitformen sind beim Großen noch deutlich besser.
Der Große buchstabiert außerdem derzeit das komplette Alphabet auf englisch und deutsch und übt sich im Lesen. Buchstaben und Zahlen faszinieren ihn schon sehr lange und wenn das so weitergeht, wird er sicher einmal eine Leseratte wie seine Mama.

Was das Sozialverhalten angeht, lernen sie natürlich rund um die Uhr. Das geht vom Begrüßen der Kindergärtnerinnen am Morgen, über das Dankesagen beim Metzger, wenn sie wieder einmal eine Gelbwurst bekommen haben, bis hin zum alleinigen An- und Ausziehen zum Schlafengehen. Meist gehen die Kinder ganz liebevoll miteinander um (Ausnahmen bestätigen die Regeln), trösten sich (nachdem sie sich gehauen haben…) und erkennen, wenn es dem anderen schlecht geht. Was sie auch schon gut kennen, ist, sich gegen ihre Eltern zu verschwören (was bisweilen sehr niedlich ist).

Natürlich lernen sie auch einige Sachen, die so nicht geplant oder gewollt sind. Die Unordnung des Papas haben sie sich auch schon zu eigen gemacht, – geht es ums Aufräumen, sind sie ganz schnell weg und suchen sich lieber ein anderes Spielzeug.

Eltern lernen von den Kindern:

Aber wir Eltern lernen dabei auch. Der Papa z.B. lernt Tag für Tag mehr, dass man Dinge, die man sich aus dem Regal oder aus einer Schublade herausnimmt, auch danach wieder zurück an ihren Platz bringt… reichlich spät, aber man lernt auch in hohem Alter noch dazu.

Was uns die Kinder zudem täglich beweisen und lehren, ist, dass die meisten Gegebenheiten im Leben ganz unwichtig sind. Mit der Geburt eines Kindes verschieben sich Prioritäten und spätestens wenn die Kinder 3 Jahre alt sind, weiß man, dass es deutlich schlimmeres gibt als jemanden, der sich an der Kasse vordrängelt oder einen Chef, der gerne meckert. Die Kinder lehren uns täglich aufs Neue, Begeisterung und Freude an den einfachen Dingen des Lebens zu finden. Kinder erden!

Von unseren Kindern lernt man zudem noch die Wahrheit über sich selbst kennen: wo man an einem Tag noch mit Komplimenten wie “schöne Mama” und “du bist so lieb” überhäuft wurde, erfährt man am nächsten Tag nicht nur, dass man einen dicken Bauch hat, sondern auch, dass man einen Pickel an der Stirn hat (“nicht kratzen!”). Schonungslos ehrlich, aber sympathisch.

Unangenehm wird es erst dann, wenn sie im Supermarkt lauthals verkünden, dass “die Frau da komisch aussieht” oder der Mann dort hinten “ein Baby im Bauch hat – oder zwei?”. So genau hätte es manch einer doch nicht wissen wollen.

Was lernt ihr von- und übereinander?

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Über den Autor: Kerstin
Kerstin ist Mama von vier wunderbaren Söhnen und einer redseligen kleinen Trulla. Sie baut Legotürme, stürmt mit wilden Playmobilpiraten kitschige Prinzessinnenschlösser und sucht täglich Antworten auf kuriose Kinderfragen.

6 Kommentare zu “Lernen und lernen lassen – Eltern-Kind-Blogparade im Juni”

  1. avatar danny sagt:

    das hast du mal wieder sehr schön geschrieben!
    und ich muss dir absolut recht geben! der chef ist doof und das ist mit kinder absolut egal! hauptsache man kann zeit mit den kids verbirngen….. ach mensch ist das bei mir schon wieder lange her! geniess jede minute die sie dir schenken und lern dabei jedes liebe wort, jede liebe geste oder blick zu schätzen, das geht leider viel zu schnell vorbei und wird selten im alltäglichen umgang.
    aber ehrliche kinder sind was schönes! auch wenn sie uns den spiegel vorhalten und uns zeigen wo wir makel haben sie haben usn als eltern ja trotzdem lieb, selbst wenn wir ihnen keinen LED tv kaufen und keinen super teuren gamer pc(okay doofe beispiele bei deinen kids) aber ich hoffe du weißt was ich meine!

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  2. Was bitte ist Gelbwurst?

    ….

    Kinder erden ungemein, das hast Du ganz richtig umschrieben und ich denke, dass die meisten Dir da absolut beipflichten werden.

    Interessant ist, dass wohl einige Männer vor allem dann noch was lernen, wenn Kinder da sind ab einem gewissen Alter *grins – solche Dinge habe ich früher auch schon mitbekommen und am Ende ist es so, dass vieles vergessen wurde und heute lernt der Papa wieder neu :D

    Die Sprachbarriere kenne ich von unserem Großen auch – der konnte dann plötzlich im Kindergarten nicht viel reden, nicht mitsingen, nicht zählen, aber wenn er da raus war konnte er alles – auch tausendmal hintereinander – mich würd ja schon interessieren ob es anderen auch so geht – aber woher kommen dann die vielen kinder im kindergarten die das alles machen? …

    Übrigens, deinen ersten Abschnitt fand ich sehr treffend – ich erinnere mich auch neulich erst einen Blogbeitrag gelesen zu haben, in dem es um diese GROSSEN Geschenke ging – generell ist alles anders als noch vor 14 und auch 9 Jahren, es ist nur erschreckend wie materiell viele sind – erinnert mich auch an den Elternabend im Kindergarten, den wir hatten, weil Randalieschen ja ab August dahin geht, da wurde ausdrücklich gesagt, dass man den Riegel vor solche Sachen geschoben hat, weil es dann bei den Mitbringelsn beim Geburtstag auch schon übertreiben wurde – das ging wohl so weit, dass man nachher jedem Gruppenkind Haba-Artikel im Wert von je 10 Euro schenkte, – und das, weil das eigene Kind Geburtstag hat – mir rutschte dann völlig entsetzt und nicht gerade leise raus: “sonst gehts noch?” …naja, ich habe so die ersten Eindrücke meiner “Mit-Papas und – Mamas” aus der Gruppe gewonnen und bekomme Sonntag noch mehr – aberschon jetzt weiß ich ganz genau:Die Großzahl ist genau so drauf wie die benannten Eltern … das kann alles noch sehr spaßig werden in den nächsten Jahren :D

    was ich eigentlich sagen wollte habe ich glaube vergessen – tut mir leid ;-)

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    • avatar Carsten sagt:

      Gelbwurst ist eine mild gewürze Brühwurst, ähnlich einer Lyoner, aber geschmacklich ganz anders. Der Name kommt von dem mit Safran gefärbten Naturdarm.
      Als Norddeutscher konnte ich anfangs auch nichts mit dem Wort anfangen, aber seit wir hier in Bayern wohnen gehört die Gelbwurst einfach dazu. Nicht nur dass die Kinder beim Metzger immer eine Scheibe bekommen, sie wird auch immer gekauft. Hier gibt’s sogar einige Metzger, die tatsächlich noch gefärbten Naturdarm benutzen. Da ist es besonders lecker. Kann ich nur empfehlen wenn ihr mal in Bayern zu Besuch sein solltet…

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  3. avatar Viv sagt:

    Kinder erden – kurz und knackig, damit triffst du voll ins Schwarze! (Ich gehe sogar soweit, heimlich manchen Paaren dringend Kinder zu wünschen, damit sie ein bisschen “erdiger” werden ^^)
    Ich finde es total interessant, bei dir über das Miteinander in eurer Familie zu lesen, was der eine vom anderen lernt oder wie ein Alltag mit 3 Kindern abläuft. Egal ob es um Lernen, Schlafen, Spielen oder etwas ganz anderes geht. Dass der große jetzt schon so mit Buchstaben und Zahlen jongliert finde ich ganz toll! weiter so :)

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  4. Ich musste wirklich bei dem Absatz..was Papa lernt…schmunzeln. Tja, so sind die lieben Männer halt.

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  5. avatar Maike sagt:

    ein toller Bericht! hihi ja das mit der Schublade und dem Regal versuche ich meinen Mann auch noch bei zubringen – genauso wie das dreckige Wäsche ins Bad kommt und ich nicht erst drüber stolper wenn ich fertig bin mit Waschen *g*

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