40+4 – 13.12.15 – Die Dezemberhexe ist geschlüpft

40+4 – 13.12.15 – Die Dezemberhexe ist geschlüpft

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Unsere kleine Dezemberhexe ist – endlich – bei uns!

Zwei Tage vor der Geburt ging ich zur letzten Vorsorge-Untersuchung. Wie schon beim letzten Kind war mein Frauenarzt unglücklicherweise nicht da und ich musste zur Vertretungsärztin (aber gottlob – wie ich dachte – nicht ins Klinikum). Nach einem – sehr guten – CTG untersuchte die Ärztin noch, stellte fest, dass der Gebärmutterhals schon leicht verstrichen ist und die Kleine tief im Becken liegt. Der Doppler war grenzwertig und sie wies mich außerdem daraufhin, dass sich unser Mädchen in Sternenguckerposition befindet und die Geburt deshalb wohl etwas schwieriger würde. Ich sollte 2-3 Tage später zur nächsten Kontrolle gehen.

Am Morgen danach klingelte das Telefon. Eben diese Ärztin war es und meinte, sie hätte nun doch ein ungutes Gefühl (wie beruhigend…). Sie hätte nachgedacht und fände, dass ich lieber doch sofort und auf der Stelle ins Klinikum fahren sollte und mit einem Cocktail einleiten lassen. Ich war … bedient.  Wir einigten uns darauf, dass ich mich beim Bereitschaftsarzt – heute – erneut untersuchen lasse und dieser entscheiden sollte. So weit kam es allerdings nicht, weil beide Ärzte aufs Klinikum verwiesen. Mittlerweile war es außerdem Abend geworden und das Klinikum war auch nicht sooo begeistert von der Idee einer sofortigen Einleitung. Wir, der beste Mann der Welt und ich, beschlossen zu warten. Irgendetwas sagte mir, dass es von allein losgehen würde. Meine Gefühle waren gemischt, aber diese eine Nacht wollte ich dennoch warten.

SSW 40+3 bzw. 40+4 – ein Geburtsbericht.
Achtung: Der folgende Text enthält Passagen, die Sie verunsichern könnten…

12.12.15, 21:30 Uhr: Unser Züricher Geschnetzeltes mit Bandnudeln ist fertig. Ich nehme die erste Gabel und muss mich hinstellen. Irgendetwas drückt im Bauch. Der Mann fragt, ob alles okay ist. „Ja, meine Hose drückt nur komisch“. Einen Moment lang denke ich an Wehen, schiebe den Gedanken aber beiseite, weil es sich anders anfühlt. Ich esse weiter. Kurz später raunze ich „Ich habe Bauchschmerzen.“ Der Mann: „Frau, hast du Wehen?“ – „Nein. Bauchschmerzen.“ – „Frau!“ – „Nein.“ Das Essen schmeckt. Es ist kurz vor 22 Uhr, als ich sage „Ich habe Bauchschmerzen. … Pause … Alle 5-6 Minuten.“ – Der Mann verdreht die Augen. 

Mein Badewasser ist schon in der Wanne (ich hatte einen gemütlichen Abend geplant…). Ich beschließe todesmutig, mich in die Wanne zu legen und stelle nach etwa 15 Min. fest, dass die Idee blöd war. Die Hose drückt, obwohl ich sie gar nicht mehr anhabe… Der Mann fragt, was wir nun machen. Ich lächle: „Wir bekommen ein Kind.“ – Er sagt: „Packen wir die Kinder ein?“ – Ich antworte: „Hm, nein, ich fahre selbst, das ist mir zu anstrengend jetzt.“ – Er schaut, ob die Nachbarn da sind und das Babyphone für 1,5 h nehmen können. ALLE 3 Parteien sind ausgeflogen. Der Mann zieht die Kinder an und packt sie ins Auto. Ich laufe durchs Haus und veratme Wehen.

Im Auto beantworte ich sämtliche Kinderfragen zum Thema Geburt und hänge alle 3-4 Minuten an der Sonnenblende und versuche so zu tun als wäre nichts. Ich sage zum Gatten: „Erinnere mich bitte direkt nach der Geburt daran, dass ich nie wieder ein Kind will. Danke!“ Der Mann sagt: „Das hat noch nie geholfen.“ Um 20 vor Mitternacht sind wir am Klinikum. Die Wehen sind schmerzhaft und fühlen sich seltsam an. An einer Stelle im unteren Bauch brennt und zieht es und tut schrecklich weh. Der Mann verabschiedet sich, drückt mich noch einmal an sich, wünscht mir alles Gute. Ein letzter Kuss. Er fährt nach Hause. Zeitgleich gibt er der Oma Bescheid, die die Kinder übernehmen kann.

Ich gehe zum Kreißsaal. Nach jeder Wehe wird mir schwindelig. Als ich dort ankomme, empfängt mich die Schülerin und fragt, ob alles okay ist. Ich bin nicht sicher und sage, dass sich das alles seltsam anfühlt. Sie schreibt erst einmal ein CTG. Ich lege mich hin. Bei der nächsten Wehe stehe ich wieder, weil Liegen genauso unangenehm ist wie Sitzen. Die Hebamme kommt, stellt sich vor und fragt, ob ich ein Schmerzmittel möchte. Ich erwidere, dass ich unschlüssig bin. Sie meint, dass wir erst einmal nach dem Muttermund schauen. Er ist 4 cm geöffnet. Sie stellt fest, dass das Kind „nicht so schön liegt“. Nach ein paar mehr Wehen, bei denen ich vor Schmerzen heulen möchte, sagt sie, dass sie eine PDA für sinnvoll hält, weil ich zu sehr verkrampfe. Ich zeige ihr die Stelle am Unterbauch, die dauerhaft weh tut, sie untersucht und stellt fest, dass die Kleine bei jeder Wehe an den Knochen stößt und an der Stelle außerdem ein Nerv liegt. Ganz glücklich sieht sie nicht aus. Sie bestellt eine PDA und bietet mir Lachgas an. Ich bekomme die Maske und finde Lachgas ätzend. Mein Hirn fährt Karussell, ich schwanke, der Schmerz ist aber nicht besser als vorher, nur weiter weg. Sie fragt, ob mir schwindelig ist, ich sage, dass das Zeug nichts für mich ist.

Eine halbe Stunde später kommt der Anästhesist. Er klärt mich sicherlich 15 Minuten über Probleme auf, die bei der PDA auftreten können. Ich falle ihm mindestens 6mal ins Wort – 3mal wegen einer Wehe und 3mal, weil für sowas keine Zeit ist und ich gerade sterben muss. Irgendwann fängt er an und die PDA liegt kurz später. Es muss etwa 1 Uhr sein, als er mich nach einer Wehe verzweifelt ansieht und fragt, ob es denn gar nicht besser ist mit dem Schmerz. Ich verneine und möchte ihn auffressen. Irgendwann dazwischen kommt mein Mann – mit Otto, der Oma blöd findet. Er schiebt ihn auf dem Flur im Kinderwagen herum, denn natürlich ist das Kind wach und freut sich über die interessante Situation.

Die Oberärztin kommt zum Ultraschall. Ihr gefällt die Kindslage nicht. Sie überlegt lange, was wir tun sollen und schickt mich zurück zum Anästhesisten, der seinerseits bald weint. Er muss nicht mehr fragen, ob seine PDA nicht wirkt, er sieht es. Wir spielen sicher eine Stunde lang das Spiel „Wir warten jetzt noch einmal 10 Minuten, ob die PDA hilft.“ Sie tut es nicht. Ich fluche, schreie und meckere. Er entschließt sich, die PDA um 1-2 mm zu verrutschen. Wieder spielen wir das „Wir warten 10 Minuten“-Spiel. Ich möchte ihn nun nicht mehr nur auffressen, ich wünschte, wir könnten Plätze tauschen. Er guckt so verlegen, dass ich Mitleid habe – bei der Folgewehe schlägt mein Mitleid in Wut um. Er ruft seine Chefin an. Mittlerweile hänge ich am Lachgas. Der Schmerz ist genauso ätzend wie vorher, aber mein Hirn dreht sich und ich lalle. Die Hebamme ist verzweifelt und untersucht noch einmal. Der Muttermund ist nun bei 5 cm. 1 cm in 3 Stunden. Ich möchte jetzt und hier sterben. Zwischen den Wehen tut mittlerweile alles weh. Kurz vor 3 Uhr kommt der zerknautschte Anästhesist mit seiner Chefin und einem Rudel Pflegekräften zurück. Alle unterhalten sich über die Weihnachtsfeier außer er selbst, der mich mitleidig und entschuldigend ansieht. Eine Viertelstunde später liegt die 2. PDA. Er atmet erleichtert auf als ich frage, wo meine Beine sind.

Die Schmerzen werden schlagartig weniger, meine Laune verbessert sich deutlich. Ich überlege, den Anästhesisten zu knutschen. Wir tauschen Blicke, ich bin verwirrt. Ich frage die Hebamme, ob das Lachgas auch nachwirken kann. Sie sieht mich verwundert an, starrt auf den Monitor des Kreißsaals nebenan und geht. Sie kommt für ein paar Minuten zurück, sprengt die Fruchtblase und geht wieder in den Saal Nummer 2. Kurz später höre ich ein Baby schreien. Die PDA liegt so gut, dass ich zwischenzeitlich immer wieder einschlafe und kaum mehr mitbekomme, dass mein Mann dazukommt. Ich wache auf und stelle fest, dass Schlafen eine saublöde Idee war. Der Schmerz ist wieder da, weil ich im wahrsten Sinne des Wortes verpennt habe, die PDA nachzudosieren. Und nicht nur das, es drückt jetzt auch ordentlich nach unten. Ich rufe die Hebamme und bitte sie zu untersuchen. Nun geht es ganz schnell. Sie stellt meine Beine auf und sagt, ich solle direkt mitpressen. Zeitgleich zückt sie ihr Telefon und ruft die Ärztin. Wir warten auf die nächste Wehe. Ich schiele zur Toilette, sie grinst und sagt „Nein, das ist das Kind“. Die Wehe kommt langsam und lässt mir keine andere Wahl als mitzuschieben. Ich spüre das Köpfchen, der Mann guckt fasziniert. Die Schülerin sitzt vor mir und weint vor Rührung. Die Hexe ist da! Ich blicke zwischen meine Beine und sehe … die Trulla. Ich habe eine Trulla-Kopie zur Welt gebracht!

Sie liegt da, schreit und ist winzigklein. Ich hebe sie hoch und lege sie auf meine Brust. Auch das 6. Kind rührt zu Tränen. Wunder der Geburt. Erlösung. Diese Atmosphäre!

Wir kuscheln gewiss eine halbe Stunde bis sie gemessen und gewogen wird. Sie schreit und findet das blöd. Ich kann es verstehen. Und eigentlich war die Geburt vielleicht doch nicht so schlimm –

 

 

 

13.12.15
41. SSW
40+4
kurz vor 4 Uhr
3.480 g
53 cm

Herzlich willkommen bei uns, kleine Maus!
Vier Tage bist du nun bei uns und es ist, als hätte es die Zeit ohne dich nie gegeben. Wir freuen uns auf die wundervolle Reise mit dir durch das Leben und haben dich schon jetzt ganz fürchterlich lieb!

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Kerstin ist Mama von vier wunderbaren Söhnen, einer redseligen kleinen Trulla und der Dezemberhexe. Sie baut Legotürme, stürmt mit wilden Playmobilpiraten kitschige Prinzessinnenschlösser und sucht täglich Antworten auf kuriose Kinderfragen.

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21 Kommentare

  1. Oh wie schön! So schlimm ist der Bericht doch nicht wpml_icon-:-) Naja, wer vielleicht noch kein Kind bekommen hat, aber wer sagt schon, dass Kinderkriegen ein Zuckerschlecken ist!

    Ich wünsche euch ganz viel Freude mit der kleinen Trulla! Genießt das Kennenlernen und herzlichen Glückwunsch.
    LG Isa

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  2. Zauberhaftes Bild und einer der humorvollsten Geburtsberichte, den ich je gelesen habe! Ich hatte auch so einen Anästhesisten, den ich gerne aufgegessen hätte. Denn für eine PDA war es bei beiden Geburten zu spät und bis er mit der Lachgasmaske da war, war Prinzessin Nr2 schon geboren ._. Dabei wollte ich das doch so gerne mal probieren :)
    Alles Liebe für euch und das kleine Mädchen! <3

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    • Ja, seit heute Morgen ganz offiziell (aber wir werden ihn wie immer auf dem Blog nicht verraten. :D )

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  3. Uih, was für ein Bericht! Schön, dass alles gut gegangen ist!
    Herzlichen Glückwunsch zur neuen Erdenbürgerin und eine schöne Kennenlernzeit! Kommt gut an als 8-köpfige Familie! ♥

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  4. Herzlichen Glückwunsch!
    Immer wieder herzerweichend und da weiß ich, warum ich auch noch nicht genug habe!

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  5. Herzlichen Glückwunsch – so eine Süße Motte <3

    Immer wieder lese ich gerne von euch -so herrlich geschrieben, aus dem Leben!

    Alles Gute für euch 8!

    lg

    Tante Trulla

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  6. einige Passagen musste ich dem Mann vorlesen, der wunderte sich nämlich, das ich meine Monitor anlache, nochmehr wunderte er sich, als ist sagte, das ich einen Geburtsbericht lesen. :-D Nochmal herzlichen Glückwunsch! wpml_icon-:-)

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  7. Ganz herzlichen Glückwunsch zu diesem süßen Wunder!
    Wie hofft habt ihr nun die 40+4 geschafft?

    Liebe Grüße
    Doro

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  8. Liebe Kerstin,

    auch hier möchte ich Dir nochmals herzlich zur Geburt Eurer kleinen Dezemberhexe gratulieren! Sie ist megasüß anzusehen und ich wünsche Euch eine wunderbare Zukunft!

    Liebe Grüße Sandra

    PS: Dein neuer Header sieht super aus! Du musst noch das Author-Widget unterhalb der Beiträge anpassen, da muss neben den zauberhaften vier Jungs und der Trulla noch die kleine Hexe mit rein :)

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  9. Hallo Kerstin!
    ♡lichen Glückwunsch zu Eurem kleinen Mädchen. Sehr süß schaut sie aus.
    Der Geburtsbericht ist großartig. Sehr amüsant & emotional, ich hab doch glatt erhöhte Augenfeuchtigkeit gehabt. Wirklich wunderbar!
    Was man nicht alles für Schätze findet, wenn man stillend auf dem Sofa sitzt wpml_icon-;-)
    Danke dafür!
    Herzliche Grüße,
    Melanie ( Mama von 3 Bärenjungen)https://www.fraumama.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_heart.gif

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