Heute war wieder einer dieser Tage: Der Paketdienst klingelt und überreicht mir ein Paket, das ich nicht bestellt habe. Inhalt: zwei Zahnpastatuben, ein paar Werbehefte und ein Brief.

An sich nichts ungewöhnliches, ich hatte hier und hier beispielweise bereits über Produkte geschrieben, die mir ebenso unfreiwillig übersandt wurden (vielen Dank an der Stelle noch einmal an Odenwald und BIC). Hier lag jeweils ein netter, an mich selbst gerichteter Brief mit persönlicher Anrede dabei, der einen Hinweis enthielt, dass man sich darüber freuen würde, wenn ich über meine Erfahrung mit den Stiften bzw. dem Fruchtmus bloggen würde. Beide Produkte haben uns gut gefallen, passen gut zu meinem Blog, und ich würde sie auch außerhalb eines Produkttests im Laden kaufen.

Auch Zahnpasta kaufe ich im Supermarkt und würde sie ebenso empfehlen und weiterkaufen, wenn sie uns gefällt. Die betreffende Zahnpasta (ich habe sie noch nicht getestet) ist womöglich auch gut, schmeckt und reinigt die Zähne – doch sie riecht und hat einen ganz faden Beigeschmack. Wie ich das wissen kann ohne sie getestet zu haben?

1.
Das betreffende Unternehmen ist mir nicht bekannt. Es schreibt mir nicht, wie es auf mich gestoßen ist, warum es mir Zahnpasta schickt und wieso gerade ich diese testen soll. So weit kann ich diesen Brief noch tolerieren (einzig über die Werbebeilagen und den großen umweltunfreundlichen Karton, in dem die beiden Tuben stecken, darf man sich wundern)

2.
Die Anrede lautet „liebe Bloggerin, lieber Blogger“ – ich nehme mich nicht allzu wichtig, freue mich aber dennoch, wenn man mich beim Namen anschreibt.

3.
Es folgt ein Text, in dem herausgearbeitet wird, wie nett es von dieser Firma sei, mir diese Zahnpasta zum Testen zu schenken. Auch damit kann ich noch leben. Womit ich nicht leben kann, ist

4.
Man erklärt mir zunächst den Wert der Produkte, die dem Paket beiliegen. Die von mir fälschlicherweise für eine Werbebeilage gehaltenen Broschüren (die Rezepte für ein Haushaltsgerät enthalten, die ich mit diesem Gerät kreieren kann) sind fast 25 € wert. Halt, sie wären es, würde betreffende Firma diese nicht in regelmäßigen Rhythmen für unter 2 € verkaufen und teilweise verschenken.
Man bedankt sich nun bereits vorab für die Veröffentlichung des Berichtes auf meinem Blog (gerne). So weit, so gut. Was aber nun folgt, ist in höchstem Maße frech kurios.

Man erklärt mir, ich solle „bei dieser Gelegenheit“ doch bitte auch ein teures Haushaltsgerät verlinken und zwar so (Link 1) und so (Link 2). Auf keinen Fall dürfe ich im Bericht etwas anderes verlinken (Mist) und natürlich auch nicht die Zahnpasta, die ich testen soll. Zudem möge ich bitte meinen Bericht auf Facebook, google plus und Twitter an den Mann / die HausFrau bringen, damit der 700 € teure Zerkleinerer auch Kunden findet.

Liebes Unternehmen,
sorry, aber nein, so läuft der Hase nicht. Ich schreibe hier gerne über Produkte, ich empfehle gerne gute Shops und praktische Artikel weiter, ich schreibe über 2 €-Artikel ebenso wie über teurere Produkte. Und das wirklich gerne. Aaaaaaaaaaaaaaber: ich schreibe sicherlich keinen Artikel über eine Zahnpasta, um Ihren Zerkleinerer zu vermarkten und Ihnen neben Backlinks außerdem noch Leser und Kunden zu schicken.
Das ist mein Blog, mein Zuhause, und hier schreibe ich über das, was mir gefällt, ich stecke viel Mühe in einen Testbericht, ich schieße Fotos, ich drehe auch gerne ein Video, ich empfehle Produkte weiter, die mir gefallen, ich verbringe Stunden um Stunden, um meinen Lesern einen Mehrwert zu bieten, und ich stecke viel Herzblut in meine Artikel.
Ich teste nicht alles und ich stelle auch nicht alles vor. Ich stelle vor, was mir gefällt und was zu uns passt, mir geht es nicht darum, kostenlose Produkte abzugreifen, ich halte nichts davon, um jeden Preis Produkte zu testen, nur um sie zu haben. Auch ich erwarte einen Mehrwert und möchte mit und an Ihren Produkten Spaß haben, sonst ist meine Freude ganz schnell im KEIM erstickt.

Im Gegenzug erwarte ich nicht nur, dass Sie mir den Mixer zum Testen schicken, wenn ich diesen empfehlen soll (Sie kennen meine Adresse), ich erwarte außerdem, dass Sie sich ebenso Mühe geben: ich freue mich über eine persönliche Anrede, ich freue mich darüber, wenn Sie wenigstens einen Artikel auf meinem Blog gelesen haben, ich freue mich, wenn Sie mir ein Produkt schicken, das zu uns passt, und noch viel mehr freue ich mich, wenn Sie das vorher mit mir absprechen.

Dann nämlich haben wir beide etwas davon – versprochen!

Herzlichst
Ihre Bloggerin

Mehr zum Sachverhalt auch hier: „Ich bin nicht käuflich“