Smalltalk. Du lernst beim Bäcker, bei der Arbeit, in der Stadt, beim Einkaufen oder irgendwo dort, wo es niemand erwartet, jemanden kennen. Du unterhältst Dich ein wenig, sprichst über Dich, vielleicht darüber, woher Du kommst, Deine Arbeit, den Mann da hinten, der so laut schreit und diese seltsame Frisur trägt, und Deine Kollegin, die auch aus dem Ort kommt wie der, mit dem Du gerade sprichst, und über das Wetter. Ja, wir in Deutschland, wir sprechen gerne über das Wetter. Die Sonne, den Regen, die Kälte, die Hitze, die Wolken und den Wind und all das, was uns und alle um uns herum beschäftigt, weil es schon wieder zu heiß, zu kalt, zu trocken oder zu nass ist. Oder zu windig.

Und dann, nach dem Wetter, kommt SIE, die entscheidende Frage, die danach, ob Du wohl (auch) Kinder hast. „Sagen Sie mal, haben Sie eigentlich Kinder?“, höre ich mein Gegenüber fragen und immer, wenn das jemand wissen möchte, der im Satz vorher noch über die Hitze klagte oder den Wind, überlege ich kurz, zu flunkern und von unserem großen Jungen und dem kleinen Mädchen zu erzählen. Er 5, sie 3 Jahre alt, beide suuuupersüß und so lieb und ja, mein Mann und ich, wir lieben uns sehr, wir sind so glücklich, alles ist wundervoll und überhaupt: „Sagen Sie mal, haben Sie etwa auch Kinder?“

Und die Frau oder der Mann, die sich eben noch mit Dir über Deine glückliche heile Welt freuten und noch immer gemeinsam mit Dir selig lächeln, sie ziehen die Mundwinkel jetzt noch ein bisschen mehr zu den Ohren hin, heben die Stimme und berichten von ihrem kleinen Antoine, 4 Jahre alt, und der noch kleineren Sophie, erst 2, die beide so suuupersüß und so lieb sind, und von ihrem Mann oder der Frau, mit dem oder der sie so glücklich sind und mit der oder dem sie so ein wundervolles Leben führen, in dem nur die Hitze im Sommer stört.

Und nun strahlst Du auch und Ihr beide, Ihr freut Euch, und alles ist gut, denn Ihr seid so gleich und so ähnlich und und so normal und eigentlich stört Euch auch nur die Hitze, die heute wieder so schlimm ist, aber sonst ist alles okay. Aber doch, es ist schon sehr heiß. Zu heiß. Und Ihr schwitzt. Und dazu dieser Wind.

So wäre das wohl, wenn ich zwei Kinder hätte. Einen Jungen, ein Mädchen, er 5, sie 3 Jahre alt und alles so schön und normal und nur die Hitze, die stört. Zwei Menschen, ein Smalltalk, vier Mundwinkel bis an die Ohren zum Lächeln gezogen und alles ist gut.

Und ja, Du ahnst es bereits. Ich flunkere nicht und die Antwort lautet: „Ja, sechs. Vier Jungen und zwei Mädchen“ und bevor ich „und so suuuupersüß“ sagen kann, entdecke ich jäh das entsetzte des Gesicht meines Gegenübers, das wahlweise fragt, ob ich denn sicher sei (klar, ich habe nachgezählt!) oder noch schlimmer: Schweigt. So ein Schweigen – und mag es auch nur fünf Sekunden dauern – es muss nicht viel heißen, doch wenn es passiert, muss ich zwangsläufig in mir nachhorchen, ob ich gerade nicht doch aus Versehen geantwortet hatte, dass ich von Kindesbeinen an mit Vorliebe Hamster töte und sie im Anschluss mit Fell verspeise, weil das gut gegen die Hitze hilft.

Ich schwöre, „sechs Kinder“ reicht aus, um Deine Umwelt zum Schweigen zu bringen. „Vier Jungen, zwei Mädchen“ und schon steht die Welt still. Die Hitze, die bis eben noch störte, ist plötzlich egal und auch der Wind, der so nervte, denn diese Frau da hat sechs Kinder. Vier Jungen, zwei Mädchen. In der heutigen Zeit. 

Krach. Bumm. Das Schweigen. Die Stille. Der Blick, das Gesicht, dieser weit geöffnete Mund, die Augen, so starr und nur das Gehirn, das rattert, weil die Antwort so unerwartet kam. Wer hat schon sechs Kinder? 

Wir haben vier Jungen und zwei Mädchen, die suuuupersüß sind und um ehrlich zu sein, beobachte ich gerne die Gesichter meiner schweigenden Mitmenschen, die so plötzlich nichts mehr zu sagen wissen, weil sechs Kinder nicht eins, zwei oder drei Kinder sind, sondern für die meisten Menschen so unvorstellbar viele mehr. 

Sechs Kinder. Vier Jungen, zwei Mädchen. Zwölf strahlende Augen. Nur die Hitze im Sommer, die stört auch uns manchmal. Und deshalb und weil es so schön mit den supersüßen Kindern ist und diesem Mann, mit dem ich so glücklich bin, und weil ich das Schweigen mitunter auch ein klein wenig mag, ist das hier nicht irgendein Text über das Wetter, sondern zeitgleich der erste über das siebte Kind und den fünften Jungen, der uns ab Februar noch glücklicher machen wird. Krach. Bumm.