Mein Kind lässt sich nicht wickeln – Versuch eines Ratgebers

Mein Kind lässt sich nicht wickeln – Versuch eines Ratgebers

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„Nein, ich will nicht!“, „Keine neue Windel!“, „Wäääh!“, „Neeeeeeeeeeeeeeeein!!!!“, herzzerreißende Schreie vom Wickeltisch („Mann, was genau machst du mit ihr?“ – „Äh, wickeln?!“), eilig davonrennende Kleinkinder – viele von euch kennen das wahrscheinlich: Der Nachwuchs will sich partout nicht wickeln lassen und nimmt schon dann Reißaus, wenn er eine Windel nur von weitem sieht oder Mama oder Papa bloß den Versuch unternehmen, das kleine unschuldige Geschöpf in Richtung Wickeltisch zu tragen.

Unsere Kleinste ist jedenfalls auch gerade in einer dieser Phasen und schreit regelmäßig, wenn es darum geht, ihr eine neue Windel anzuziehen.

Und was macht ihr, wenn eure Kinder sich nicht wickeln lassen wollen?

Kleinkind wickeln auf dem Boden
Wickeln? Finde ich cool! (Auf dem Bild: Einer der seltenen Freiwilligen)

Das werden wir regelmäßig gefragt und deshalb versuche ich es mit einem Ratgeber, der die Wickelsituation bei euch daheim vielleicht nicht komplett entschärfen kann, sie aber hoffentlich ein wenig entspannt.

Zunächst einmal:
Dass sich Kinder phasenweise nicht wickeln lassen wollen, ist völlig normal. Es ist nicht schön, es ist anstrengend, es nervt vielleicht auch, aber es ist kein Grund zur Sorge. Babys wachsen, sie werden größer, sie entdecken die Welt und ihre Freiheit, Kleinkinder möchten gerne weiterspielen, der kleine Windelpopo ist vielleicht ein wenig wund und das Wickeln ist schmerzhaft – die Gründe, warum Kinder den Windelwechsel blöd finden, sind unterschiedlich, aber: Es sind Gründe.

Das Wickeln und wir

Wir wechseln seit mittlerweile acht Jahren ununterbrochen Windeln und sammeln aktuell mit dem 6. Kind Wickelerfahrung. Viele Jahre davon haben wir zwei oder mehr Kindern parallel mehrmals täglich die volle Buchse gewechselt und ja, doch, wenn mich einer fragen würde, würde ich sagen, dass ich schon so ein bisssssschen Erfahrung habe mit Babys und Kleinkindern, die den Windelwechsel phasenweise doof finden.

Das Schöne an der Sache ist: Irgendwann ist das mit dem Wickeln von Natur aus vorbei und meistens ist die Bitte-nicht-wickeln-Phase schon nach wenigen Tagen oder Wochen überstanden (und kommt im besten Fall später auch nicht wieder). Wenn ihr allerdings gerade mittendrin seid in dieser Situation und mehrmals täglich einen Wickelkampf führen müsst, tröstet das natürlich wenig. Deshalb bekommt ihr von mir nicht nur Trost, sondern auch Tipps, wie ihr diese ausgesprochene Sch... Ka... Mistphase besser übersteht.

Tipps für einen entspannte(re)n Windelwechsel

(Werbung) Gemeinsam mit Lillydoo, Hersteller der hübschesten Windeldesigns auf dem Markt, habe ich die besten Hilfestellungen für vom Wickeln gestresste Eltern gesammelt. Bedient euch gerne:

Wenn Neugeborene und junge Babys beim Windelwechsel schreien

Babys können ihren Unmut nur mit Schreien kundtun – und das machen schon manche Neugeborene mit Vorliebe auf dem Wickeltisch. Ein Wunder ist das nicht: Zum Wickeln werden die Kleinen ausgezogen und es wird frisch um die Beinchen. Nicht nur wir Großen mögen es nicht, wenn uns kalt wird. Die Allerkleinsten kühlen noch schnell aus und finden kalte Beinchen richtig doof.

Hier kann ein Heizstrahler für den Wickeltisch helfen. Unter dem ist es kuschelig warm und das Baby entspannt sich.

Wenn Babys lieber krabbeln und die Welt entdecken wollen

dein Kind will sich nicht wickeln lassen? Ansprechende WindeldesignsDein Baby ist schon über ein halbes Jahr alt und windet sich auf dem Wickeltisch? Herzlichen Glückwunsch: Dein Kind entdeckt lieber die Welt als ruhig liegen zu bleiben und die Wickelprozedur über sich ergehen zu lassen.

Mit 7, 8, 9, 10 Monaten ist alles spannender als der Windelwechsel. Probiere es deshalb mit interessantem Spielzeug auf oder einem hübschen Mobile über dem Wickeltisch. Die klappernde Rassel, der Schneebesen, die mit Erbsen oder Bohnen gefüllte Flasche: Jetzt kannst du deiner Kreativität freien Lauf lassen. Wir haben an allen Wickelplätzen im Haus ein paar Gegenstände liegen, um die Kleine(n) abzulenken – und zur Not tun es Cremedose, Feuchttücherpackung oder eine zweite Windel zum Spielen.

Unsere Dezemberhexe lutscht während des Wickelns gerne an einem feuchten Waschlappen.

Kinder kooperieren (meistens) freiwillig

Seien wir ehrlich: Es gibt nur wenige Kämpfe, die wir als Eltern wirklich ausfechten müssen. Ja, der kleine Babypopo muss insbesondere nach dem großen Geschäft möglichst schnell gereinigt werden, da viele Kinder sonst mit Wundsein reagieren.

Trotzdem ist es für die meisten Kinder ziemlich blöd, dafür (Gewickelt zu werden ist wirklich langweilig!) aus dem Spiel gerissen zu werden. „Komm doch bitte zum Wickeln, wenn du mit XY fertig bist“, ist bei uns eine gute Hilfe, wenn wir schon vorher ahnen, dass es schwierig wird, das Kind sofort zum Wickeltisch bewegen zu können.

Apropos Wickeltisch: Wer braucht den eigentlich?

Es gibt Kinder, die den Wickeltisch nicht mögen. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass dein Kleines mit dem Gewickeltwerden und dem Tisch schlechte Erfahrungen verbindet (Wundsein, Pilz etc.) oder vielleicht auch daran, dass das Kind Liegen doof findet. Ob als Abwechslung, zur Ablenkung oder wegen des blöden Wickeltischs: Windeln können auch im Stehen oder Sitzen gewechselt werden. Mit ein wenig Übung klappt das wunderbar und geht meistens auch viel schneller als der Windelwechsel auf dem Wickeltisch oder Sofa.

Wenn auch ein Positionswechsel nicht hilft, dann vielleicht:

Singen, sich zum Kaspar machen, Bäuchchen prusten und Quatsch veranstalten

Noch schlechter klappt es mit dem Windelwechsel oft, wenn die Kleinen müde, krank oder schlecht drauf sind. Wenn Mama das Baby kitzelt oder Papa Grimassen schneidet, bessert sich die Stimmung und dein Nachwuchs entspannt sich (oder ist zumindest so abgelenkt, dass er es kaum mehr mitbekommt, dass die alte gegen eine neue Windel getauscht wird.)

Mein Kind will sich nicht wickeln lassen (und ich mag es eigentlich auch nicht wickeln)

Lillydoo Größe 3 Produkttest
Lillydoo Windeln im Pusteblumendesign

Mutet seltsam an, ist aber ziemlich weit verbreitet: Eltern, die „das Bäh“ wegmachen und ihr Kind damit zum Wickeltisch locken wollen, dass sie das blöde Stinkikacki wegmachen („Du willst doch auch nicht mehr stinken, Hase, stimmt’s?“).

Hm, joaaaah. Ich kann ein wenig verstehen, wenn euren Kindern das nicht sooo gut gefällt. Ja, der Windelinhalt riecht manchmal und ganz selten auch so sehr, dass selbst die Sechsfachmutter innerlich ein wenig … aufgewühlt ist, aber ich bin trotzdem eher ein Freund des Positiven. Wir machen nicht das Bäh weg, wir nutzen die Neugierde der Kleinen und wollen mal schauen, was wir heute in der Windel entdecken. Vielleicht einen Frosch?

Und sind heute nicht besonders hübsche Blumen auf der Windel?

Ab einem bestimmten Alter, das bei jedem Kind unterschiedlich ist, ist den Kleinen die Windel und all das mit den Ausscheidungen entweder nicht mehr so geheuer oder manchmal auch ziemlich unangenehm. Hier hilft ein nüchternes „Ich wechsle dir jetzt die Windel“ meist mehr als die Geschichte vom Pfui, das unbedingt weg muss.

Die Kleinen entdecken noch ihren Körper und auch ihre Ausscheidungen und finden das in erster Linie spannend und gar nicht so bäh wie wir Großen, die unseren Ekel gegebenenfalls sogar selbst auf die Kleinen übertragen und sie damit demotivieren. Bleibt deshalb positiv und arbeitet lieber mit dem Entdeckungstrieb und ein wenig mehr Motivation. Die meisten Kinder werden es euch danken.

Wunder Po, Windelsoor und Co – wenn der Windelwechsel auch noch schmerzt

Wenn der Intimbereich und / oder der Po deines Sprösslings wund sind, ist es nicht nur doof, sondern obendrein schmerzhaft, wenn die Windel gewechselt wird. Da würden wir Großen uns auch nicht wickeln lassen wollen!

Versuche in solchen Situationen, Feuchttücher zu vermeiden und lasse ganz viel Luft an den Babypo. Achte darauf, dass die Haut nach dem Reinigen (am besten mit klarem Wasser!) wieder trocken ist bevor du deinem Kind eine neue Windel anziehst, denn Feuchtigkeit verringert den Heilungsprozess oder macht alles nur noch schlimmer.

Je nach Ursache des Wundseins benötigst du außerdem eine Salbe gegen Soor, Heilwolle oder Auszüge aus schwarzem Tee, mit dem du die Stellen betupfen kannst. Wir haben zudem gute Erfahrung mit Sitzbädern gemacht.

Windeln sind sowieso doof? Vielleicht ist dein Kleines bereit für das Töpfchen bzw. die Toilette?

Irgendwann, meist zwischen dem 3. und dem 5. Lebensjahr (und ja, das ist wirklich normal…) entwickeln Kinder ein gesteigertes Interesse an der Toilette. Wenn Kleinkinder nicht gewickelt werden möchten, kann es daran liegen, dass sie einfach keine Lust mehr auf Windeln haben und genau wie Mama und Papa zur Toilette gehen möchten.

Packe die Gelegenheit beim Schopf und biete als Alternative zum Windelwechsel ein Töpfchen oder den Gang zur Toilette an.

Ich habe schon alles ausprobiert, mein Kind schreit und weint trotzdem beim Wickeln

Das kommt dir bekannt vor?

Ja, diese Phase ist anstrengend und sie kostet dich (und dein Kind!) aktuell viele Nerven. Auch wenn es dir wahrscheinlich genau jetzt nicht hilft zu wissen, dass auch andere Eltern solche Probleme haben, so kannst du dir dennoch sicher sein, dass du nicht alleine bist. Und: Es ist wirklich nur eine Phase.

Lehn dich zurück, backe eine Runde Ofenpfannkuchen für alle – und versuch es einfach danach noch einmal mit der neuen Windel. Ohm!

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Kerstin ist Mama von vier wunderbaren Söhnen, einer redseligen kleinen Trulla und der Dezemberhexe. Sie baut Legotürme, stürmt mit wilden Playmobilpiraten kitschige Prinzessinnenschlösser und sucht täglich Antworten auf kuriose Kinderfragen.

2 Kommentare

  1. Hallo Kerstin,

    Toller Beitrag und schön mal wieder etwas von dir/ euch zu lesen.
    Kurz reißt du ja das Thema Töpfchen an.
    Vielleicht kannst du in einem weiteren Beitrag ja mal mal von deinen/ euren Erfahrungen berichten, wie eure vermutlich 4 großen Kinder den Umstieg auf die Toilette geschafft haben.
    Bei uns ist das leider ein leidvolles Thema, weniger bezogen aufs Kind, mehr auf die Uneinigkeit zwischen den Eltern.
    Auf der einen Seite der Mann samt Schwiegermutter, die behaupten mit einem Jahr war das Kind ohne Windel, auch nachts etc. (ehemalige DDR).
    Dass soll der Sohn/Enkel quasi auch können, der zuvor durchaus hin und wieder freiwillig aufs Töpfchen ging. Mit entsprechendem Druck und vielen Vorwürfen „du bist schon so groß“ (knapp 2), wandelt sich das Intresse fürs Töpfchen in eine absolute Abwehrhaltung um und Kind geht mit Papa nicht mehr auf die Toilette und lässt sich auch nicht von ihm wickeln. Bei Mama, die das ganze Thema entspannter sieht, verbleibt es halbwegs beim freiwilligen Töpfchengang und Mama wird auch verraten wann die Windel voll ist.

    Haben eure Kinder von selbst den Weg, weg von der Windel, gewählt? Wann war es soweit? Habt ihr es forciert?

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    • Hallo Ida,
      hachja, das Trockenwerden-Thema.

      Ich habe auch einen Mann, der mit einem Jahr trocken war… Wir haben bei keinem der Kinder ein Töpfchen benutzt, unsere Kinder gehen alle direkt zur Toilette (mit Treppe bzw. Hilfe beim Hochklettern). Bei allen Kindern haben wir jeweils so lang gewartet bis es bei ihnen selbst so weit war, was ca. um den 3. Geburtstag und zum Teil auch später der Fall war (aber nie ein Problem). Das einzige, was wir gemacht haben, war, immer einmal wieder zu fragen, ob sie die Toilette benutzen wollen.

      Unser 2jähriger geht seit einer Weile abends vor dem Waschen zur Toilette, trägt sonst aber noch seine Windel.

      Wenn sich Eltern nicht einig sind, ist das natürlich gar nicht gut. Ich würde hier versuchen, eine gemeinsame Lösung zu finden. Das Töpfchen würde ich erst einmal ganz weit weg schaffen und die Geschichte nicht mehr thematisieren. Der Kleine wird irgendwann von alleine kommen und zur Toilette gehen wollen, ganz sicher. :)

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