Nachdem sich unser Status Familie mit drei Kindern (und damit 1,61 Kindern mehr als sie durchschnittlich in deutschen Familien geboren werden) im Dezember zum Status „kinderreiche Familie“ ändert, vergehen lediglich noch sechs Monate bis wir reich sein werden. Reich an Kindern, reich an Kindergeld und obendrein reich an Betreuungsgeld. 215 € Kindergeld gibt es aktuell, Stand 2012, pro Kind. Doch nicht nur das: Es winkt zusätzlich das Betreuungsgeld. Das rechnet sich doch, oder?

Als wir vor fünf Jahren – natürlich der Steuer wegen – geheiratet haben, hätten wir nicht ansatzweise ahnen können, dass wir durch vier Geburten in vier Jahren so viel Geld bekommen würden, dass wir am Ende gar nicht mehr wissen, wohin damit. Mittlerweile müssen wir fast wöchentlich ein neues Konto eröffnen, weil auf dem alten schlicht kein Platz mehr ist für all die finanziellen Zuwendungen, die Vater Staat uns zukommen lässt.

Was kostet ein Kind?

Je nach Quelle kostet ein Kind bis zu seinem 18. Lebensjahr zwischen 120.000 und 180.000 €. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass nicht jedes Kind mit Punkt 18 Jahren keine finanzielle Zuwendung mehr benötigt.

Glaubt man den Erzählungen mancher Mütter in Elternforen (wieso treiben sich dort kaum Väter herum?), so heißt es, ein Baby / Kleinkind koste in den ersten Lebensjahren im Grunde gar nichts. Hier ein paar Windeln, Mamas Brust und ein Gitterbett, mehr braucht so ein Würmchen nicht (gut, ein bisschen Liebe wäre noch schön). Gehen wir also davon aus, dass Kinder in den ersten Lebensjahren nichts kosten, fahren wir in den ersten fünf Jahren nach der Geburt ordentlich Gewinn ein.

Moment, da stimmt doch etwas nicht. Unser großer Sohn geht seit Januar in den Kindergarten. Für eine 4-Stunden-Betreuung zahlen wir monatlich etwa 180 €. Und mir schwant gerade, dass er in den letzten drei Jahren doch einiges gekostet hat. Angefangen mit Windeln über Kleidung bis hin zur Erstausstattung sind da einige Euros zusammengekommen. Rechne ich noch dazu, dass neben Kinderwagen, Gitterbett, Essen und Trinken spätestens mit dem 3. Kind ein größeres Auto gekauft werden musste und ein Leben auf 50 m² nicht mehr möglich war, Trockner und Waschmaschine hier fast täglich laufen und den Preis für nur ein einziges Paar Schuhe, von denen er in seinem jungen Leben schon sicherlich 20 Paare getragen hat, habe ich das Gefühl, dass vom Kindergeld in Höhe von 184 € monatlich nicht allzu viel übrig geblieben sein kann. Reichlich verwunderlich an der Stelle, dass es noch immer Menschen gibt, die davon ausgehen, dass Kinder mehr Geld mitbringen als sie kosten.

Glaubt man den Eltern in unserem Freundeskreis, werden Kinder mit zunehmendem Alter noch teurer (kaum vorstellbar, wenn ich mir die Krippenpreise hier ansehe).

Wahlfreiheit durch das Betreuungsgeld

Aber: Mit dem Betreuungsgeld haben wir endlich Wahlfreiheit – ich habe die Freiheit, ob ich zuhause bleibe oder … zuhause bleibe. Zwar habe ich schon bald einen einklagbaren Rechtsanspruch auf die Betreuung meiner Kinder durch andere, nur gibt es hier genau diese Betreuungsplätze nicht. Alle drei Kinder sind jeweils seit der Schwangerschaft mit ihnen für Krippenplätze angemeldet. Bis heute bekamen wir von über 20 Krippen genau ein Angebot zurück für eine 6-Stunden-Betreuung für den Großen – die ich mir allerdings nicht leisten konnte, da ich bei Kind 2 zuhause bleiben musste, das leider keinen Platz bekommen hat. Mittlerweile hat zumindest unser 3jähriger einen Notplatz in einer Containergruppe bekommen, so dass er überhaupt in den Genuss eines Kindergartens kommt.

Die monatlich 100 bzw. 150 € werden dafür sorgen, dass ich noch viele Jahre zuhause bleiben kann – nicht, weil ich es will und weil 100 € so viel Geld sind, sondern weil ich es muss und keine Wahl habe. In ein paar Jahren, wenn ich irgendwann in den Hartz4-Sumpf rutsche, kann ich mich immer noch zur Erzieherin umschulen lassen – das wäre zumindest eine Alternative, fragt man die Bundesagentur für Arbeit.

Lohnen sich Kinder finanziell?

Da hat sie jetzt so viel gemeckert, dass sich der geneigte Leser fragen wird, ob sie nicht auf hohem Niveau jammert. Doch, genau das tut sie. Deshalb an der Stelle ein Hoch auf das Elterngeld, das uns finanzielle Unabhängigkeit beschert(e) und dafür sorgt(e), dass auch mein Mann bei den Kindern zuhause bleiben konnte und kann. Dies hätte ohne Elterngeld sicherlich nicht funktioniert. Dass man jedoch an seinen Kindern verdienen kann, bezweifle ich.

Warum wir dennoch drei Kinder haben und ganz freiwillig, uneigennützig, geplant, gewünscht, erhofft und voll freudiger Erwartung ein 4. Kind bekommen? Das ist ein Geheimnis, das die meisten Eltern unter euch kennen. Und wer auch nach dem 1. Kind nicht verstanden hat, dass es beim Nachwuchs am allerwenigsten um einen _finanziellen_ Gewinn geht, der wird es auch beim 5. und 6. Kind nicht verstehen.

Kind Blumenwiese
Lohnen sich eure Kinder?

 

Update Mai 2018:

Wir haben mittlerweile sieben Kinder und bekommen somit gleich siebenmal Kindergeld. Außerdem wurde das Kindergeld zwischenzeitlich sogar noch erhöht: Für die ersten beiden Kinder erhalten Eltern derzeit je 194 €, 200 € gibt es für das dritte Kind und ab dem vierten Kind gehen sogar monatlich 225 € pro Nase auf dem Konto ein.

Somit erhalten wir 2 x 194 €, 1x 200 € und 4 x 225 € = 1.488 Euro Kindergeld pro Monat. Reich geworden sind wir auch: An Kindern, an Freude, an Glück und an Dankbarkeit. Das mit dem finanziellen Reichtum scheint ein Märchen zu sein (oder wir sind zu doof).