Von preisgekrönten Schriftstellern und Halbwesen

Von preisgekrönten Schriftstellern und Halbwesen

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Sibylle Lewitscharoff ist eine mehrfach preisgekrönte deutsche Schriftstellerin, die vor ungefähr 60 Jahren geboren wurde. Der ein oder andere mag sie kennen, manch einem ist ihr Name erstmals in den letzten Tagen untergekommen. Die Dame studierte Religionswissenschaften und verfasste in ihrem Leben Romane, Essays und andere literarische Werke. Zuletzt erhielt sie den Georg-Büchner-Preis und schrieb indes traurige Geschichte, als ihr im Rahmen der traditionsreichen Dresdner Reden eine Bühne geboten wurde, um Aussagen zu tätigen, für die sie sich heute – zum Teil – entschuldigt hat. Reichlich spät und auch erst im dritten Anlauf, aber das soll nur am Rande interessant sein.

Lewitscharoff über künstliche Befruchtung, Onanie und Halbwesen

Neugeborenes ein Tag alt

Was die Dame während ihres Vortrags von sich gab, kann hier nachgehört und nachgelesen werden: Vortrag von Sibylle Lewitscharoff vom 02. März 2014 im Staatsschauspiel Dresden: Von der Machbarkeit. Die wissenschaftliche Bestimmung über Geburt und Tod – als pdf und Audio Version

In ihrem Vortrag spricht sie von Leben, von Tod, von Homosexualität, von Leihmutterschaft, von künstlicher Befruchtung, von Selbstbefriedigung, von Geburt und hier und da auch von Vernunft. Sie redet darüber, dass ihr Vater, ein Gynäkologe, sich erhängte, als sie 11 Jahre alt war und davon, dass sie nie Kinder wollte, keine hat und deshalb nicht abtreiben musste. Sie spricht vom Verhältnis zu ihrer Mutter, zu ihrem Vater, zu anderen und zum Tod. Und irgendwann kommt sie auch auf ihre Geburt zu sprechen und darauf, dass ihr zum Glück ihre Herkunft bekannt ist und sie nicht durch Onanie und in einem Reagenzglas gezeugt wurde:

„Ich bin im Übrigen auch froh, nicht der Onanie und darauf folgenden komplexen medizinischen Machinati-onen meine Existenz zu verdanken, sondern auf herkömmlichen Vereinigungswegen gezeugt worden zu sein“

Doch nicht nur dieses Glück kam ihr zuteil, – während sie sich früher über das biblische Onanieverbot lustig machte, findet sie es heute „weise“. Schließlich würde selbiges verhindern, dass sich Männer im Rahmen von künstlichen Befruchtungen in Kabinen zurückziehen und so überhaupt erst die Voraussetzung für widerwärtige Halbwesen schaffen. Bitte? Ich zitiere: 

Die Vorstellung, dass ein Mann in eine Kabine geschickt
wird, wo er […] stimuliert wird, seine Spermien medizingerecht abzuliefern, die später in den Körper einer Frau praktiziert werden, ist mir nicht nur suspekt, ich finde sie absolut widerwärtig.

Absolut widerwärtig. O-Ton. Dem ganzen die Krone setzt indes folgender Absatz auf, den ich – da ich es nicht schaffe, DAS stilgetreu in eigenen Worten wiederzugeben – ebenso wörtlich zitieren mag:

Ich übertreibe, das ist klar, übertreibe, weil mir das gegenwärtige Fortpflanzungsgemurkse derart widerwärtig erscheint, dass ich sogar geneigt bin, Kinder, die auf solch abartigen Wegen entstanden sind, als Halbwesen anzusehen. Nicht ganz echt sind sie in meinen Augen, sondern zweifelhafte Geschöpfe, halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas. Das ist gewiss ungerecht, weil es den Kindern etwas anlastet, wofür sie rein gar nichts können. Aber meine Abscheu ist in solchen Fällen stärker als die Vernunft.

Ich bin nicht sicher, ob dieser Part mich mehr trifft oder der Teil ihrer Rede, in der sie national-sozialistische Kopulationsheime harmloser findet als die Tatsache, dass heutzutage Kinder im Wege der künstlichen Befruchtung – im schlimmsten Fall durch Leihmutterschaft oder mit zwei Frauen als Eltern – entstehen.
Frau Lewitscharoff spricht von Abscheu, von Ekel, von widerwärtigen Prozessen und als wäre das nicht schon schlimm genug, erklärt sie mein Kind, nein, unser Kind, zu einem Halbwesen. Einem künstlichen Weißnichtwas. Einem nicht echten Wesen als Ergebnis eines Fortpflanzungsgemurkses.

Sehr geehrte Frau Lewitscharoff,
Sie haben in Ihrer Rede Grenzen überschritten und allen voran die Grenze des guten Geschmacks. Sie können von künstlichen Befruchtungen halten, was Sie mögen. Sie dürfen Ihre Haltung gerne zum Ausdruck bringen, meinetwegen auch in der Öffentlichkeit. Ich kann damit umgehen, dass andere Menschen eine andere Meinung zu diesem Thema haben als ich und sogar damit, dass diese ausgesprochen wird. Auch in meinen Augen gibt es ethische und moralische Grenzen des „Fortpflanzungsgemurkses“ – ich will und wollte nie ein Kind aus dem Katalog, ich wünschte mir kein Kind mit blauen Augen und kein Kind mit blonden Haaren. Ich wünschte mir EIN Kind, MEIN Kind, UNSER Kind. Ein Kind ist kein Gegenstand, den Eltern in einem Katalog bestellen. Ein Kind ist ein Herzenswunsch – und zwar völlig unabhängig davon, wie es entstanden ist oder entstehen soll.

Der Fortschritt der Fortpflanzungsmedizin der letzten Jahre ist ein Segen für ungewollt Kinderlose, die Abgabe von Spermien in einer Kabine eine notwendige Voraussetzung diverser Behandlungsarten (IUI, ICSI, IVF) und der Vorgang für keinen Mann dieser Welt ein leichter Schritt. Wie gerne würden all diese Paare kopulieren und ihre Kinder auf natürlichem Wege zeugen. Wie lieb wäre es Paaren mit Kinderwunsch, diesen Schritt nicht gehen zu müssen? Wie lieb wäre uns damals gewesen, uns mit unserem Kinderwunsch nicht an Ärzte wenden zu müssen, sondern ihn im heimischen Bett zu realisieren…

Sie haben den Abschnitt mit den widerwärtigen Halbwesen heute zurückgenommen. Sie haben sich im 3. Anlauf entschuldigt, nachdem Sie Ihr widerwärtiges Gedankengut in den beiden Anläufen zuvor noch vehement verteidigt haben. Sie gaben dem öffentlichen Druck nach – ich nehme Ihnen eine echte Entschuldigung nicht ab. Ich ärgere mich maßlos über das, was sie sagten, ich fühle mich zutiefst getroffen durch Ihre Vorbehalte und ich schäme mich dafür, dass jemandem wie Ihnen dafür eine Bühne geboten wurde (und ich Ihnen diese auch noch bieten muss). 

Ich finde Ihre Gedanken gefährlich, menschenverachtend, böse und zutiefst verletzend. Ich finde sie unmenschlich und – mit Verlaub – widerwärtig. Unser Sohn und all die anderen Kinder, zu deren Zeugung der Fortschritt der Medizin beigetragen hat, sind kleine Wunder. Sie sind etwas besonderes. Sie sind Fleisch gewordene Liebe, sie sind echt, sie sind liebevoll, clever, sie sind genauso einzigartig wie all die anderen Kinder dieser Welt, die in Betten, auf Wiesen oder in Autos entstanden sind. Unsere Kinder sind unsere Kinder sind unsere Kinder und dabei ganz phantastisch.

Ihre Gedanken sind anmaßend und menschenverachtend und ein ganz hässliches, ekelhaftes und widerwärtiges, zweifelhaftes Weißnichtwas. Oder wie unser mittlerweile 5jähriges, entzückendes, wunderbares, phantastisches und liebevolles Halbwesen es ausdrücken würde: „Mama, diese Frau da erzählt verrückten Quatsch!“

 

 

 

 

Weitere Infos zum Thema:
Vortrag Lewitscharoff in Schrift und Ton
Niggemeier über Lewitscharoff und Halbwesen
Offener Brief des Staatsschauspiels Dresden
Sibylle Berg: Lewitscharoff-Skandal: Sei der Stuss auch noch so gequirlt
Georg Diez: S.P.O.N. – Der Kritiker: Herrenreiterin des Kleingeists

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Kerstin ist Mama von vier wunderbaren Söhnen, einer redseligen kleinen Trulla und der Dezemberhexe. Sie baut Legotürme, stürmt mit wilden Playmobilpiraten kitschige Prinzessinnenschlösser und sucht täglich Antworten auf kuriose Kinderfragen.

13 Kommentare

  1. Ich hoffe für diese Frau das sie niemals in die Situation kommt das sie künstlich gezüchtete Haut benötigen wird, denn dann ist sie ebenfalls ein Halbwesen!
    Hoffentlich wird sie nie in die Situation kommen das sie ein Spenderorgan benötigt und eines ihrer sogenanten Halbwesen spenden sein wird.

    Ich ahbe das gestern Abend bereits mitbekommen und kannte diese Frau vorher gar nicht, aber da habe ich auch nichts verpasst und ich wünschte ich würde ihren Namen auch heute noch nicht kennen.
    Ihr habt absolut bezaubernde Kinder, total süß und niedlich, ein bissel frech und vorlaut, wie ganz normale Kinder eben sein müssen!
    Künstliche Befruchtung hin oder her, eure Kinder werden von ganzen Herzen geliebt und sind von ganzen Herzen bei eich wilkommen und jeder der euch verfolgt per Blog oder wie auch immer merkt das immer wieder aufs neue!
    Lasst euch blos nie im Leben irgendwas erzählen! Eure Kinder sind ganz normale kleine Teppichratten http://www.fraumama.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wink.gif und das meine ich weder böse noch abwertend! andere Kinder könnten sich glücklich schätzen, wenn sie so sehr geliebt und erwünscht wären wie Kinder durch küsntlicher befruchtung….
    Schlimm das diese Personen einen solchen Bullshit von sich geben darf ohne das es Folgen hat!

    Sorry ist ein etwas längerer Kommi geworden *schäm*

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    • Ich weiß nicht, woran die Frau leidet (vielleicht an fehlender PR?), aber es gibt keinen gesunden Grund für ihre Aussagen. Mittlerweile habe ich mich einigermaßen beruhigt, ich weiß aber, von wem ich niemals ein Buch kaufen werde.

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  2. Persönlichkeitsstörungen sollte man nur Fachleuten überlassen.
    Der Tenor erinnert mich irgendwie an Sarrazin, oder?

    Ich glaube, ich könnte auch ein Halbwesen lieben! Bei meinen Monstern ist es mir jedenfalls immer gut gelungen …

    LG
    Sabienes

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  3. Die Frau hat gehörig einen an der Marmel und es ist beschämend, dass jemand sich so abfallend in der Öffentlichkeit äußern darf. Nichts gegen die Freiheit der Gedanken. Aber es hat schon vielen geholfen, wenn sie vor der Inbetriebnahme ihres Mundwerks ihr Gehirn angeschaltet haben. Ich könnt mich fürchterlich aufregen.
    Ich stimme Dir zu, dass die Entschuldigung nicht nach Entschuldigung klingt sondern nach „Ja … ist ja schon gut ich hab ja gar nichts gesagt!“ Das ist Kindergartenniveau, wenn überhaupt.
    Eigentlich kann man froh sein, dass sie sich nicht fortgepflanzt hat.
    Lass Dir von der Frau nicht die Liebe zu Euren Kindern absprechen.
    LG, Sabo

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    • Nein, unsere Liebe wird sie uns niemals absprechen, ihre Aussagen sind einzig ein Armutszeugnis.

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  4. Wirklich erschreckend, das man solchen Leuten die Möglichkeit gibt ihren Nonsens zu verzapfen, noch schlimmer aber, das wohl keiner den Mut hatte etwas dagegen zu tun. In ihrem Leben ist wohl gewaltig etwas schief gelaufen!

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  5. Ich finde es wirklich furchtbar, was diese Frau von sich gegeben hat. Bevor ich von ihren Äußerungen gelesen habe, hätte ich nicht für möglich gehalten, dass jemand so denken könnte.

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  6. Ich habe mir schon lange abgewöhnt von Meinungen anderer, die nicht meiner Meinung sind, schlechte Gefühle machen zu lassen. Das schadet einem nur selbst.

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  7. Als ich von dieser Person gehört bzw. gelesen habe, was sie für einen Bullshit vom Stapel lässt war ich schon sehr geschockt. Wie kann man solche Worte von der Bühne lassen? Hat sie sich mal überlegt, was sie damit anrichtet? Wie andere darüber denken? und wie abartig das mal wirklich ist?
    ich finde du hast das hier wirklich bestens rübergebracht und dich dazu geäussert … das würd ich so mit unterschreiben … auch wenn ich kein sogenanntes *Halbwesen* habe, aber auch gerne eines genommen hätte, wenns nicht anders geklappt hätte.
    So eine Aussage in die Welt hinauszupredigen, ist echt übelst … gehört verboten sowas … kann nur den kopfschütteln über diese bescheuerte Aussage von ihr.

    Ich kann nur sagen, dass wir uns heutzutage glücklich schätzen können, dass es WEge gibt uns Kinder zu beschweren auf auch andere Art und Weise, wenns auf natürlichem Wege nicht klappt…

    Geniesse die Sonne und streiche diese Worte aus deinem Kopf … Kinder sind das Schönste und wertvollste Gut, was uns geschenkt werden kann ( oder auch geschenkt wurde).

    LG Bibi

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    • Das schlimme ist, dass sie als Schriftstellerin, die eine vorbereitete Rede vorliest, sehr wohl weiß, was sie da sagt und ihr natürlich auch klar ist, dass sie damit provoziert. So weit ist das auch völlig okay, aber das, was sie gesagt hat, lässt sich überhaupt nicht rechtfertigen. Ihre unglaubwürdige Entschuldigung hätte sie sich auch sparen können, nachdem sie direkt nach dem Vortrag in zwei weiteren Interviews noch einmal sagte, dass sie das natürlich so meinte und gar nicht verstehen kann, warum man sich über ihre Meinung aufregt. http://www.fraumama.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wacko.gif

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  8. Puh, das ist ja mal eine krasse Aussage. Da kann man echt nur mit dem Kopf schütteln.

    Kerstin, dir vielen Dank, dass du solche Dinge hier thematisierst.
    Alles Liebe
    Sabine

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