Ja, das Baby ist noch im Bauch. Ja, immer noch. Und nein, ich weiß nicht, wann es da ist.

Nachdem ich gestern bei 40+2 wieder zur Kontrolle im Krankenhaus war und die diensthabende Ärztin wegen eines noch schlechteren Dopplerergebnisses als am Vortag ebenso eine Einleitung befürwortete wie ihr Chef, gab ich mich geschlagen, – jedenfalls mehr oder weniger. Man wollte mich gestern schon (wieder) behalten, am Ende einigten wir uns irgendwie auf „morgen früh“ und „in Ruhe“. Der Professor war nicht begeistert, erklärte, dass das Kind mit jedem Tag im Bauch später dümmer sein würde als Gleichaltrige (Zitat: „Es muss auch dumme Menschen geben, aber muss es wirklich Ihr Kind treffen, wenn Sie es verhindern können?“), redete mir ins Gewissen und hatte mich irgendwann so weit, dass ich meinem Gefühl nicht mehr vertraute. Seine Aussage mit dem dummen Kind war … nunja dumm, frech und dreist, mulmig war mir am Ende trotzdem, zumal ich auch einige traurige Geschichten kenne, die rund um den Entbindungstermin stattfanden. Und die Verantwortung für mein Kind nimmt mir keiner ab, im Grunde muss ich auf die Meinung der Ärzte vertrauen…

Einleitung Tag 1

Um halb 10 heute früh kam ich jedenfalls widerwillig im Krankenhaus an und wurde stationär aufgenommen. Das dauerte – „Sie haben ja Zeit, gell?“ – fast eine Stunde länger als geplant, so dass die Einleitung selbst erst um Viertel vor 12 startete. Vorher allerdings diskutierten die Dame an der Patientenaufnahme und ich noch eine ganze Weile über die Problematik Einzelzimmer (90 bzw. 150 € pro Tag) vs. Familienzimmer (150 €), u. a. deshalb, weil sie genau wissen wollte, wie lange ich das Zimmer brauchen würde… Ach, könnte ich nur hellsehen! Am Ende entschied ich mich für das popelige Komforteinzelzimmer à 92 € pro Nacht und werde bald arm sein, dafür aber glücklich darüber, meine Ruhe zu haben. Irgendwie schaffte die Frau es auch, das so zu buchen, dass sie es täglich nach Bedarf verlängert.

Wehencocktail mit Rizinus

Der Wehencocktail: Sieht ganz lecker aus, schmeckt aber leider nicht…

Im Kreißsaal
Wie üblich gab es zunächst ein 30minütiges CTG. Danach wartete ich schon auf das Gespräch mit meinem „Lieblings“-Prof, stattdessen kam jedoch ein junger Assistenzarzt, der mir erklärte, dass wir mit einem Wehencocktail einleiten würden, weil alle anderen Maßnahmen bei unreifem Befund nicht ihren Richtlinien entsprächen… Ich selbst hatte vorher schon viel über die Gefährlichkeit des Gebräus gelesen und mich deshalb – eigentlich – gegen diese Form der Einleitung entschieden. Der Arzt nahm mir noch Blut ab (aus der Hand, nachdem er die Vene im Arm zum Platzen gebracht hatte), amüsierte sich darüber, dass wir am selben Tag Geburtstag haben und freute sich über meinen Kinderreichtum. Nett war er, aber alles Jammern und Betteln wegen einer anderen Form der Einleitung half nicht, mein Cocktail stand bereits vor meiner Nase. Die Schwester hatte ihn freudestrahlend mit Schirmchen und einem Lächeln serviert und beinahe hätte ich mich gefühlt wie in einer Bar – hätte sie nicht in der anderen Hand die Spuckschalen und einen Eimer gehabt und auf den Lippen den Hinweis „Hab ich dabei, falls Sie das nicht vertragen“… Und ich schwöre, sie wusste, warum sie all das Zeug direkt mitschleppte, denn bereits beim Geruch des Gesöffs war mir klar, dass es schwer werden würde, DAS zu schlucken. Stellt euch ein riesiges Glas Schnaps vor, jemanden, der püriertes Aprikosenmark in selbiges rührt und dazu noch eine halbe Tonne Babyöl. So hat das Zeug nicht nur gerochen, sondern auch geschmeckt. Allein die Konsistenz führte zu Gänsehaut, der starke Alkoholgeschmack brachte mich zum Schütteln und das Rizinusöl kommt mir jetzt – 10 Stunden später – immer noch hoch. Den Teil allerdings hatte ich geschafft und ich begann zu warten. Eine Stunde wurde CTG geschrieben, dann wurde ich für die Warterei auf mein Zimmer entlassen. Ich sollte mich entweder um 16 Uhr wieder melden oder wenn die Fruchtblase gesprungen wäre oder Wehen eingesetzt hätten. Ich legte mich in mein 92 €-Zimmer und schlief. Es dauerte allerdings keine 15 Minuten bis ein Praktikant mich weckte, um sich nach meinem Stuhlgang zu erkundigen („Hatten Sie heute schon Stuhlgang? … Aber gestern doch bestimmt?“). Er maß den Blutdruck, der mir davor schon 10mal gemessen worden war, meinen Puls (ebenso zum 10. Mal) und die Temperatur (36,4 Grad), um festzustellen, dass ich gesund bin. „Und um 16 Uhr sollen Sie wieder entbinden gehen, gell?“, sprach er und ich fragte mich, seit wie vielen Tagen er wohl auf der Station arbeitet… Punkt 16 Uhr fand das zweite CTG statt (keine Veränderung), um 19:30 Uhr das letzte des Tages. Der Wehencocktail wirkt „irgendwie“, heißt es gluckert in meinem Bauch und fühlt sich seit 10 Stunden so an als bekäme ich gleich Durchfall. Übel ist mir auch, von Wehen indes keine Spur. Wenn das die einzige Wirkung ist, die das Gesöff zustande gebracht hat, kann ich es zumindest nicht empfehlen… Die weitere Planung der Einleitung steht bereits (und stand schon vor dem Beginn!): Ab morgen früh um 6 Uhr gibt es Cytotec-Tabletten, ab übermorgen Gel, überübermorgen im Zweifelsfall einen Wehentropf.

Bis dahin gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass der 17. April unser Datum sein wird. Weil es 40+4 ist wie bei den Kindern 2 und 3, weil es ein ungerades Datum ist und weil ich diese Einleiterei nicht länger ertragen mag. Nach Kind 1 hatte ich mir geschworen, DAS nie wieder mitzumachen… Was mache ich hier eigentlich?