Traue nie einem Frauenarzt, der behauptet, dass Symphysenschmerzen nach der Geburt verschwunden sind. Schön wäre das, in der Praxis sieht das häufig anders aus. Die Symphyse oder „Fünffüße“, wie sie einer unserer Söhne gerne nannte, ist die Schambeinfuge, die sich während der Schwangerschaft – und das ist völlig natürlich und normal – dehnt und lockert. Ist diese Lockerung jedoch zu stark, ist das ziemlich schmerzhaft und führt im schlimmsten Fall dazu, dass man kaum noch geradeaus gehen kann geschweige denn sitzen, stehen oder sich im Bett umdrehen. So ging es mir jedenfalls in der 3. Schwangerschaft. Die letzten Wochen waren sehr sehr beschwerlich und ich hatte gerade morgens größte Mühe, aus dem Bett zu kommen. In der letzten Schwangerschaft dagegen waren die Schmerzen zwar da, aber recht gut zu ertragen. Vielleicht zufällig, womöglich aber auch, weil ich vorgesorgt hatte oder vorsorgen ließ.

Symphysenschmerzen – Was ist das?

Foto 36. SSW

Die meisten Frauen merken etwa in der Mitte der Schwangerschaft, dass sie eine Symphyse besitzen, meist dann, wenn sie sich bewegen und Treppen steigen. Symphysenschmerzen äußern sich durch ein ganz fieses Stechen im Schambereich, das dafür sorgt, dass man die Bewegung, die man kurz vorher noch ausführen wollte, auf der Stelle unterbricht. Wer schon einmal einen Hexenschuss hatte, kann sich das in etwa vorstellen, – bei einer Symphysenlockerung fühlt man am Schambein ähnliche Schmerzen und auch so eine Art Blockade wie man sie bei einem Hexenschuss im Rücken spürt. Schmerzen an der Symphyse werden mit zunehmender Schwangerschaftsdauer üblicherweise stärker und nehmen zu (auch wenn man irgendwann glaubt, dass es gar nicht mehr schlimmer geht) – das hat damit zu tun, dass sich das Becken immer weiter dehnt und das Baby größer und schwerer wird. Frauenärzte erklären häufig, dass das zum Schwangersein dazugehört, tatsächlich ist es aber so, dass Schwangere etwas dagegen unternehmen können.

 

Hilfe bei Schmerzen am Schambein:


Ein Symphysengürtel:
In der 3. Schwangerschaft hatte mich mein Arzt leider so lange mit „das muss so sein“ vertröstet bis es zu spät war, um etwas gegen die Schmerzen zu unternehmen. In der 4. Schwangerschaft habe ich sehr früh einen Symphysengurt (*Affiliate-Link zu Amazon) getragen, der dafür sorgt, dass das Becken entlastet wird (bei unserem Mädchen bekam ich diesen in der 38. SSW verschrieben, weil der Frauenarzt urplötzlich entsetzt darüber war, dass seine Patientin nicht mehr laufen konnte…).

Dieser Gurt sorgte bedingt für Linderung, er war sowohl tagsüber als auch nachts unbequem, aber ich biss mich ein paar Wochen durch, weil sich die Erlebnisse aus der. Schwangerschaft zuvor auf keinen Fall wiederholen sollten.

Update: Ich habe von vielen Leserinnen die Rückmeldung erhalten, dass der Symphysengürtel ihnen sehr gut geholfen hat. Den Symphysengurt kann der Frauenarzt verschreiben oder Du kaufst ihn privat. Günstige Gürtel beginnen ab ca. 20 €.

Symphysengürtel bei Schmerzen


Akupunktur:

Meine Hebamme riet zur Akupunktur. Dies hatten wir in der 3. Schwangerschaft schon probiert, allerdings war es auch dafür 2 Wochen vor der Geburt reichlich spät. In der Folgeschwangerschaft begann sie deshalb bereits Mitte der 20er Wochen, als die Schmerzen erstmals auftraten, mit Akupunktur. Früher als ich noch Probleme mit Nadeln, Blutabnahmen usw. hatte, wäre ich vermutlich schreiend davongelaufen, hätte mir jemand Akupunkturnadeln gezeigt. Heute – durch Kinderwunschbehandlung, diverse Blutspenden und vier Schwangerschaften abgehärtet .- habe ich keine Angst mehr vor Nadeln. Wenn man sich die Akupunkturnadeln hier einmal genauer ansieht, erkennt man, dass diese zwar sehr lang, aber auch sehr fein sind. Es tut in den meisten Fällen absolut nicht weh, wenn die Nadeln gesetzt werden, wobei das wie ich feststellen konnte maßgeblich von dem abhängt, der sie setzt. Meine 2. Hebamme konnte das sehr gut und ich spürte nur ein leichtes Kribbeln während der Behandlung. Als die Nadeln saßen, wäre ich auf der Liege beim Lesen häufig beinahe eingeschlafen. 25 Minuten später wurden die Nadeln entfernt und während ich direkt nach der 1. Behandlung noch unkte, dass das nun aber gar nicht geholfen hätte und ich weiterhin meine Beine nicht anheben könne, war ich sehr erstaunt als die Schmerzen in den nächsten Tagen tatsächlich nachließen.

Den Ablauf einer Akupunkturbehandlung, die verschiedenen Nadelformen und weiteres Wissenswertes zur Akupunktur kann man auf der verlinkten Seite nachlesen und sich auch die unterschiedlichen Akupunkturnadeln in einem Video näher ansehen. Man muss wirklich keine Angst davor haben – es tut nicht weh und die Behandlung kann die Schmerzen lindern.

Der wichtigste Punkt überhaupt jedoch bei der Behandlung von Symphysenschmerzen ist:

Schonung:
Das was uns Bereits-Müttern, die deutlich häufiger als Erstmütter von einer Symphysenlockerung betroffen sind, am schwersten fällt, ist körperliche Schonung. Gerade mit einem kleinen Kind zuhause und einem Haushalt, der sich nicht von alleine erledigt, neigen wir dazu uns zu überfordern und unseren Körper zu sehr zu belasten. Ich kann hier nur sagen: Wenn es nicht geht, geht es nicht und „Augen zu und durch“ wird nicht klappen, da die Schmerzen immer schlimmer werden, je mehr man sich körperlich betätigt.
Auch Schwimmen, was häufig von Ärzten oder Physiotherapeuten geraten wird, sollte man vorsichtig angehen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es im Wasser selbst wunderbar war, die Symphyse sich jedoch einen Tag später doppelt und dreifach rächte. Am besten ging es mir, wenn ich auf der Seite lag – und ich merkte deutlich, dass mein Schambein sich über Ruhepausen freute. An Tagen hingegen, an denen ich mich gezwungen hatte, trotz Schmerzen durchzuhalten, ging es mir viel schlechter und das über mehrere Tage hinweg. Ich kann nur raten, da wirklich auf seinen Körper zu hören und alles mindestens einen Schritt langsamer anzugehen.

Die Symphyse nach der Geburt:
Nach der Entbindung, wenn das Becken sich wieder zurückbildet, werden die Schmerzen tatsächlich besser. Bei mir war es aber nie so, dass sie direkt nach der Geburt verschwunden waren. Nach der 3. Schwangerschaft war ich sogar noch eine ganze Weile in physiotherapeutischer Behandlung bis ich wieder schmerzfrei gehen und mich im Bett drehen konnte.

Heute – etwas mehr als 3 Monate nach der 4. Geburt – geht es mir gut. Dank Vorsorge bereits während der Schwangerschaft hielten sich die Schmerzen bis zuletzt in Grenzen. Zwar spürte ich die Symphyse durchaus an manchen Tagen sehr schmerzhaft, es war jedoch kein Vergleich zu der vorausgegangenen Schwangerschaft. Schon wenige Wochen nach der Geburt war ich im Grunde schmerzfrei, heute spüre ich nur noch ganz selten diese Schmerzen und das meist beim Umdrehen nachts im Bett. Ich bin so froh, dass mir dieses Mal die nachgeburtliche Krankengymnastik erspart wurde und würde in einer weiteren Schwangerschaft auch wieder von allen Mitteln Gebrauch machen.

Kennt einer von euch Symphysenschmerzen? Und was hat euch geholfen?

 

 

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